Buch Category: Buch Kapiteln

  • DNS, Kapitel 2, Teil 1

    Der naechste Tag bringt genau das, was sie vorausgesehen hat. Die Zukunft zu deuten ist nicht schwierig, wenn man Fakten zusammenzaehlen kann. Freilich muss das Ueberraschende als Unsicherheitselement beruecksichtigt werden, – unfehlbar duerfen nur Goetter sein.

    So will es der Zufall, dass die Arbeit nicht ganz so bitter schmeckt. Es ist einer jener Tage wo nicht viel los ist und Femina hat daher Zeit, sich einen Kaffee nach dem anderen einzugiessen und sich der Lektuere, die da herumliegt, hinzugeben.

    In der Tageszeitung findet sich das Gleiche wie tags zuvor, – aendern tun sich nur die Namen und Lokalitaeten. Sie blaettert das Ganze lustlos durch und raucht schon wieder eine Zigarette. Fruehstueck hat sie keines gegessen. Sie war froh, ueberhaupt aus dem Bett zu kommen. Der Kaffee haelt sie auf Touren, bloss die Haende zittern ein wenig. An der Zigarette zwischen ihren Fingern kann sie den Tremor ganz deutlich sehen. Sie sucht sich eine Fachzeitschrift und beginnt zu schmoekern. Es stehen interessante Sachen drin, doch fuer die hiesigen Verhaeltnisse grenzen sie an Utopie, weil sie nicht „realisierbar“ sind. Na ja, Femina wiederholt nicht umsonst so oft die Phrase, ‚auf dem Mond, hinter dem Mond leben.‘ Sie war zwar noch nie auf dem Mond, was sie sehr bedauert, aber hinterwaeldlerisch geht’s dort oben sicher nicht zu, noch nicht wenigstens. Dafuer sind sie’s hier und das in erschreckendem Masse. Schildbuerger! Na ja, sie geht ohnehin. Dabei faellt ihr ein, dass sie die Mittagskonferenz nicht versaeumen darf. Wie spaet es wohl ist? Sie hat keine Uhr bei sich und schaltet daher das Radio ein. Leichte Popmusik fuer einen „frischen neuen Morgen“ toent ihr entgegen. Sie dreht auf leise. Immer zur vollen Stunde bringen sie Nachrichten und die Zeitansage. Zeit! Wie wichtig sie ist! Viel zu wichtig, meint sie. Aber die Auslegung von Zeit, zumindest in diesem System, laesst nichts anderes zu. Sie muss immer auf die Uhr schauen, ohne Uhr ist man „aufgeschmissen“. Zeit ist gleich Geld ist gleich Leben. Komischerweise haben die wenigsten Menschen Zeit noch Geld, leben, scheint’s, koennen sie trotzdem. ‚Was soll’s,‘ denkt sie, ‚s’ist doch voellig egal. In den Wuesten gibt’s viel Sand, Millionen, Millionen Sandkoerner. Alles nur eine Frage der Lebensbedingungen und der Notwendigkeit, sich anzupassen, weil es schliesslich eine Frage des Ueberlebens ist. Darum geht es ihr jetzt allerdings nicht. Ihr stellt sich mehr die Frage nach dem Genuss und der Freude……, sie muss zugeben, dass ihre Gedanken durcheinander purzeln. Heute ist wirklich nicht der Tag, tiefsinnig sein zu wollen. Sie ist zu muede. Da tut’s die Oberflaeche auch.

    Grade ertoent der Gongschlag aus dem Radio, der die Nachrichten ankuendigt, als die Tuer auffliegt und eine Kollegin hereinstuermt. Sie macht viel Krach dabei, wie immer, bei allem was sie tut. Femina kann die Zeitansage nicht hoeren. ‚Ausgerechnet diese Plustergans muss mich stoeren,‘ faehrt es ihr durch den Kopf. Die Gegenwart dieser ‚Unperson‘ hat sie noch nie geschaetzt. Abgesehen davon, dass sie koerperlich aufgetrieben ist wie ein Ballon und damit ihre Angeberei bereits strukturell dokumentiert, ist ihr Geplapper wirklich quaelend. Sie gibt Seifenblasen von sich, ohne Inhalt und leider auch ohne deren schillernden Farben. Doch eine Uhr hat sie und Femina fragt sie auch gleich nach der Zeit. ‚Elf Uhr.‘ Ah, das ist gut. Da geht sich grad noch ein Kaffee und eine Zigarette aus. Die Kollegin hat ein paar Bananen mitgebracht und fragt sie, ob sie eine wolle. Femina nickt und bedient sich. Sie findet, dass sie wunderbar zum Kaffee passt und irgendwie freut sie sich auf das nicht mehr so ferne Mittagessen. Der Hunger meldet sich nun recht deutlich. Sie muss zugeben, dass sie ein gluecklicher Mensch ist, der sich die Frage nach dem Genuss stellen kann und nicht jene nach dem Ueberleben.

    Es kommen noch mehrere Kollegen ins Dienstzimmer. Mit der Ruhe ist es endgueltig vorbei. ‚Was wird heute zuerst kommen,‘ ueberlegt Femina, ‚der Klatsch oder die Fachsimpelei?‘ Das eine ist grad so gut wie das andere. Sie wollen sich ohnehin nur uebertreffen. So schnappt sie sich ihr Magazin und zieht sich vom Tisch zurueck auf’s Bett, das etwas abseits steht. Sie vertieft sich in einen Artikel, um nicht hinhoeren oder hinsehen zu muessen. Ihre Energien sind ihr heilig, speziell, wenn sie nur auf halber Kraft laeuft und sie lehnt Verschwendung ab. Sie wird sich nicht ablehnen, nur weil sie diese Typen und deren Getoens nicht mag.

    Leider ist der Artikel auch nicht gerade begeisternd. Es geht um eine halluzinogene Droge, wobei sich der Autor nicht nur auf die Informationen, die keineswegs etwas Neues enthalten,beschraenkt, sondern er kommentiert in hoechst subjektiver Weise und manipuliert fuer seine Ziele. Das ist ein offensichtlicher Missbrauch wissenschaftlicher Berichterstattung! Vielleicht sollte er selber einmal auf einen Trip gehen. Femina schmunzelt vor sich hin. Er wuerde den Horror kriegen…….Sie wird wieder ernst. So laeuft es schliesslich zu oft ab, es ist einfach zu muehsam. Sie findet es durchaus wuenschenswert, wenn sich Spezialisten mit Daten vollstopfen, – der eine kennt die Hundertstesekunden und das Mikrogramm, der andere kennt Namen und fuegt begeistert neue hinzu, – aber mehr soll’s bitte garnicht sein! Jeder soll sich seine eigene Meinung bilden!

    Femina schaut auf. Es herrscht allgemeine Aufbruchsstimmung. Die Truppe junger Weisskittel eilt zur Konferenz.

    „Du bist heute aber auch nicht gerade guter Laune,“ sagt Plustergans zu ihr, waehrend sie auf den Lift warten.

    „Nicht unbedingt,“ antwortet sie und schweigt wieder. Sie zwaengen sich in den Lift und einer der Kollegen, die sie Ballonkoepfe nennt, weil sie nicht viel mehr als Luft in ihren Schaedeln haben, beginnt ueber Parties und lange Naechte zu schwafeln.

    „Na und du?“ sagt sie, „hast du heute schon den Stein des Weisen gefunden?“

    Ein paar der Anwesenden grinsen, einige schweigen betreten. Keine Antwort!

    „Ja aber Femina, so kenne ich dich garnicht!“ Die Plustergans braucht Ovationen, auch das noch! Femina meint achselzuckend,‘so sei nun mal das Leben, voller Ueberraschungen, nicht wahr?‘ Da lassen sie sie in Ruhe.

    Bei der Mittagskonferenz trifft sich das gesamte Team. Darunter sind einige Kollegen die sie mag und wie sich herausstellt, ist der Boss in Hochform. Einige Wuensche, bezueglich seiner Station, sind wieder einmal nicht durchgegangen, sondern in der Klebrigkeit der Institutionen haengen geblieben. Die zynischen Bonmots, die er von sich gibt, erheitern Femina und wirken erfrischend. Manchmal findet sie es bedauernswert, dass er ansonsten so ein ‚Versager‘ ist, denn er hat sehr wohl Faehigkeiten und konnte sich im ‚Ausland‘ weiter profilieren. Sie kann Sozieterna Material in ihm sehen. Aber das ist natuerlich fuer Sozieterna zu wenig. Sie ruft sich zur Ordnung. Werbung fuer Sozierterna steht nicht auf dem Programm, weder hier, noch jetzt, noch anderswo.

    Nach dem meeting gehen die meisten in die Kantine zum Essen. Sie isst lieber zu Hause, daher kehrt sie ins Dienstzimmer zurueck und braut einen neuen Kaffee. Eine nette Kollegin taucht auf und sie wollen es sich gerade gemuetlich machen, als das Telefon Femina zur Arbeit ruft. Zu dumm! So kurz vor Dienstschluss hat die Arbeit sie also doch noch eingeholt. Es bleibt ihr grade noch Zeit fuer den Kaffee und ein paar Scherze, dann schwirrt sie ab.

    Sie kommt trotzdem rechtzeitig zum Essen nach Hause. Tina und die Kleine sind unterwegs und werden erst am Abend eintrudeln. Sie hat also den restlichen Nachmittag fuer sich. Sie zieht sich ins Badezimmer zurueck und widmet sich eine zeitlang nur ihrem Koerper und seinem Wohlbefinden. Sie traegt eine Gesichtsmaske auf und waehrend der Einwirkungszeit entspannt sie sich in einem duftenden Creme-bad, danach Wechseldusche und Hautpflege. Sie fuehlt sich nach einer Stunde wie Aphrodite, – die wurde ja auch schaumgeboren. Um das ganze abzurunden verschreibt sie sich fuer den Rest des Nachmittags Ruhe. Daraus wird ein erquickender Schlaf, der erst durch die Rueckkehr ihrer Gaeste ein Ende findet. Sie bleibt noch ein paar Minuten liegen und lauscht auf die ungewohnten Geraeusche ausserhalb ihres Zimmers. Das Lachen der Kleinen ist ein heller reiner Ton, der hin und wieder darin auftaucht. Femina schluepft in was Bequemes und erscheint im Wohnzimmer.

  • DNS, Kapitel 1, Teil 7

    Sie sind in grossartiger Schlemmerlaune, muessen sich allerdings selber bedienen, da sich Femina’s Hausroboter in der Aufladephase befindet. Tina hat ihn bereits sorgfaeltig inspiziert. Sie muss sich selbst einen anderen besorgen, nachdem der ihre seinen Geist aufgegeben hat. ‚Sie will keinen neuen‘, sagt sie, ‚ein weniger komplettes Modell wuerde ihren Anspruechen durchaus genuegen, und kaeme wesentlich billiger.‘ Femina hat einen Servo X 100, ‚genau das Richtige‘, meint sie. Das metallene Gehaeuse ist einer antiquen Statue nachempfunden, was damals die grosse Mode war, als diese Art Haushaltstechnology auf den Markt kam. Er oelt sich sogar selber, wenn seine ‚Gelenke‘ zu quietschen beginnen. Femina hat ihn ausserdem matt schwarz lackiert. Das moebelt ihn ungemein auf. Er hat natuerlich nicht alle Programme, ist schon garnicht mit den neuesten Typen zu vergleichen, weder was die ,hardware‘, noch die ‚software‘ betrifft. Die letzten in dieser Serie sind bereits so ausgereift, dass sie sich kaum mehr von Menschen unterscheiden und ihre Funktion ist dermassen umfangreich, dass sie durchaus Menschen ersetzen koennen. Freilich, in diesen Breitengraden kriegt man die besagten Supertypen noch nicht, so wie vieles andere nicht. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis das grosse Exportgeschaeft beginnt. In den grossen Weltstaedten der hochentwickelten Industriestaaten sind sie bereits auf dem Markt und sehr populaer. Tina war erst kuerzlich in der Techno-Metropolis der West-Union auf einer internationalen Konferenz gewesen. Sie kann in diesem Zusammenhang einiges berichten.

    Die Leute dort muessen wirklich ziemlich wohlhabend sein. In den Shopping Centers, die sie aufsuchte sah sie die neuesten Modelle auffallend haeufig. „Es wird nicht lange dauern, bis du dort kaum mehr wirkliche Leute antreffen wirst“, sagt sie. „ Ausser vielleicht dem Aufsichtspersonal“. Sie lacht. „Stell Dir vor, ich habe gesehen, wie sie einen solchen Superroboter als Ladendieb verhaftet haben.“

    Femina und Tina finden das ungemein erheiternd und sie beginnen von Raubrobotern und Robotergangstern zu phantasieren, waehrend sie sich an den Dingen delektieren, die Femina auf dem Tisch angehaeuft hat. Dabei werden sie nicht nur langsam satt, sondern auch wieder nuechterner. Die Raubroboter- geschichten verlieren dabei ihre Witzigkeit. Die Aussicht, dass man Menschen und Roboter unter Umstaenden nicht mehr auseinanderhalten kann, ist fuer sie beide nicht gerade ein Lichtblick. Allerdings finden sie es schlimmer, wenn wirkliche Menschen zu Maschinen umprogrammiert werden, oder auch Tiere, wie zum Beispiel die Huehner. Das tut man naemlich in diesen Breitengraden, um das technische Manko auszugleichen. Beide schaudern beim Gedanken, was diese Menschen und Tiere durchmachen. Fliessbandarbeit, eintoenig an Inhalt und unter staendigem Druck der vorgeschriebenen Leistung, wobei der Mensch noch ein besseres Los hat. Er kann sich wenigstens noch von seinem Arbeitsplatz entfernen und die Fuesse vertreten. Den Huehnern ist selbst das nicht gestattet! Kein Wunder, dass der Dotter so bleich ist, kein Wunder, wenn der Mensch seine Gesundheit verliert. Beide tun ihnen ungemein leid.

    Sie gehen ins Wohnzimmer zurueck. Femina legt eine neue Platte auf. Der verbliebene Sekt ist etwas warm geworden. Macht nichts! Das reicht noch fuer zwei Glaeser und dann wird sie sich ins Bett begeben. Wenigstens ein bisschen Schlaf! Ihre Laune faellt auf Null und gereizt zischt sie:

    „Verdammter Mist! Mich interessiert das alles nicht mehr! Weder der Job, noch die Leute. Die Gegend ist oed, die Gesellschaft schlimmer als langweilig! Ach Tina,“ seufzt sie. Die Melancholie ist zurueckgekommen. Sie in Worte zu kleiden ist ihr unmoeglich, weil ihre Gefuehle schneller sind als ihre Gedanken. Kraefte stossen aufeinander und dazwischen laeuft der Schmerz nach oben und nach unten. Sich gegen ihn zu wehren waere logisch. Mit ihm zu reisen, ist abenteuerlich.

    Sie raeuspert sich, laechelt ploetzlich wieder, waehrend sie Tina aufmerksam mustert. „Ich habe grade stuermische Wasser gesehen“, sagt sie. „Giftig gruen, leuchtend wie Phosphor, die Gischt ein Funkenregen……“

    Tina nimmt einen Schluck. „Prost“, erwidert sie kuehl und faehrt dann ungehalten fort: „Jetzt langt’s mir aber! Ich bin zwar deine Freundin, aber das geht ueber mein Verstaendnis hinaus. Was willst du denn? Hast du wirklich soviel Aggressionen aufgestaut, dass es dich auseinander reisst? Das tut mir leid, aber da bist du selber schuld dran.“ Sie haelt inne, durchbohrt ihre Freundin mit stechendem Blick. „S’ist hoechste Zeit fuer dich abzuhaun! Ich habe, so scheint’s, nie bemerkt, wie zerbrechlich du bist. Manchmal bist du theatralisch, impulsive, aber schwach…….? Sie schuettelt ihren Kopf.

    Femina‘s Augen sind halb geschlossen. Die Bindehaeute brennen und der Alkohol spielt sein paradoxes Spiel. ‚Was sie denn will‘, hat Tina gefragt, und, ‚ob es sie auseinanderreisst‘. Bunte Gedanken fliegen durch ihren Kopf. Sie mag das giftig gruene Wasser und seine Phosphorgischt, aber auseinanderreissen laesst sie sich nicht. Oder? Sie laechelt still und nimmt das Glas mit dem schalgewordenen Sekt, hebt es in Augenhoehe, haelt es gegen das Licht. Ein paar Kohlensaeureperlen erinnern an einstige Spritzigkeit, doch die Perlen spruehen nicht mehr, sondern bilden glaenzende Faeden, die an der Oberflaeche ins Nichts entschwinden.

    „Prost“, sagt sie und trinkt, laesst die laue Fluessigkeit in ihrem Mund herumkreisen. Die Waerme veraendert zwar den Geschmack, doch die Qualitaet ist gut, das aendern auch triste Umstaende nicht. Damit spuelt sie gleich den Rest durch ihre Speiseroehre.

    Sie blinzelt Tina heftig zu und setzt einen naiven Augenaufschlag als Schlussakzent. Das ganze untermalt sie mit einem tiefen Seufzer: „Ach ja, …… die Welt ist so boese, nur ich bin gut…….“

    Tina schuettelt den Kopf. „Du hast das Saufen noch nie vertragen! Machen wir Schluss fuer heute! Ich bin ohnehin auch muede.“

    Sie trinken den Rest der Flasche und machen sich ans Schlafengehen. Femina fliegt beinahe ueber ihre eigenen Fuesse, verheddert sich im Teppich und faellt rittlings auf den Boden. Das zu Bett gehen ist offensichtlich garnicht so einfach. Die beiden verursachen betraechtlichen Laerm und koennen sich vor Lachen gegen all die widrigen Umstaende, die eigenartigerweise in ihrem Wege stehen, nicht durchsetzen, was sie nur noch mehr erheitert und noch mehr zum Stolpern bringt. Bis zum Schlafzimmer gibt es volle Aktion,sie kugeln wie die jungen Hunde am Boden herum. Ein voller Aschenbecher geht dabei zu Bruch. Die Kippen fliegen in alle Richtungen. ‚Wie gut, dass es ‚Robbi‘ gibt!‘ Der wird puenktlich um 5 die erste Reinigungstour machen, und um 7 steht das Fruehstueck auf dem Tisch, ‚falls sie das Aufstehen schafft……..‘

    Die Kleine liegt selig schlummernd in Femina’s grossem Bett. Die Nachttischlampe ist an, verbreited ein sanftes und beruhigendes Licht. Sie hat sich offensichtlich heimlich dahin begeben, denn Tina versichert, dass sie sie ins Gaestezimmer gebracht hat. Freilich hatte Femina diesen Vorschlag gemacht und dabei bleibt es nun. Sie wuerden sie nicht aufwecken. Die beiden Frauen kuscheln sich vorsichtig unter die gemeinsame Decke, die Kleine in ihrer Mitte.

    Es gibt soviele Kinder auf der Welt. Es muessen und sollen nicht nur die eigenen sein, die man liebt. Sie alle brauchen Liebe, nicht so sehr eine spezielle Person, obwohl das unbestritten ein Vorteil ist. Femina faellt eine Zeitungsnotiz ein, die sie kuerzlich gelesen hat und die sie ziemlich veraergerte. Natuerlich musste sie in Betracht ziehen, dass sie sich in einem Lande befand, dass technologisch rueckstaendig und moralisch schrecklich konservativ ist. Es ging um das Problem der ‚Leihmuetter‘, ueber das sich die diversen Moraltheologen und – theoretiker nicht einigen koennen. Ein frisch Geborenes, eben durch eine Leihmutter geboren, wurde vom Staate „beschlagnahmt“, wegen Klaerung der Rechtslage, die zum Schutz des Neugeborenen geltend gemacht werden sollte. Hm, da verpassen sie einem Frischling Paragraphen und nehmen ihm gleichzeitig die Liebe. Es war kein ungewolltes Kind, nicht in diesem Falle jedenfalls. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn man Gesetze zu diesem Zwecke ausarbeitet und falls das Volk zustimmt, rechtsgueltig macht, aber ein Neugeborenes der Staatsfuersorge zu uebergeben, wenn es ein Heim haben koennte, waehrend sich die Moralaposteln ihre Koepfe zerbrechen, das ist ganz gewiss nicht im besten Interesse des Kindes. Aber das nennen sie moralisch und verantwortungsbewusst! Nein wirklich, die Welt kann noch so schoen sein, mit solchen Buerokraten, ist sie immer nur ein verlorenes Paradies.

    Femina’s Augen fliegen ueber das Gesicht der Kleinen und dann zu Tina. Die hat sich bereits zufrieden ausgestreckt und sagt nur noch: „Gute Nacht“.

    „Gute Nacht“, antwortet Femina und schaltet das Licht aus.

    Der Schlaf ist ein koeniglicher Geliebter. Heute ist er Nosferatu, schwarz-rot ist sein Umhang, bleich sein Gesicht. Perlmuttnacht, Ewigkeitsduft,……mmmmh…, und sie beginnt zu traeumen.

  • DNS Kapitel 1, Part 6

    “So ein Sekt ist nicht schlecht”, meint Femina und verfolgt das kuehle Prickeln auf ihren Schleimhaeuten, vom Schlund hinunter in ihren Magen, hinein ins Blut, bis in die Zellen ihres Gehirns und des ganzen Koerpers. Mit einem Wort, schoen langsam wird sie betrunken und das ist ihr durchaus angenehm.

    Sie lehnt sich zurueck, betrachtet ihre Freundin. Sie hat sich aeusserlich sehr veraendert und ist generell viel lockerer geworden. Ihre Gesichtszuege sind weicher, ihre Haltung entspannt. Tina’s Blick kreuzt den ihren. Gedankenlesen kommt ganz natuerlich. Sie lachen sich an und sind gluecklich. Es ist alles nur eine Frage der Dimensionen: Inhaltlich konstant, formal aenderbar, gestaltlich verschieden und zeitlich begrenzt. Ein Augenblick nur, aber der ist ausschliesslich.

    „Du siehst fabelhaft aus“, sagt Femina und mustert ihre Freundin erneut. „Sex and drugs and rock’n roll“, intoniert sie und grinst anzueglich.

    „Was dagegen?“ erwidert Tina herausfordernd

    „Skandaloes, schockierend, aufregend schoen, – serviert mit deinem sanftem Laecheln……..!“ Femina schuettelt den Kopf. Ihre Freundin hat das ‚Gewisse Etwas‘. Sie ist ein ‚heisser Ofen, ein steiler Zahn‘! Nur Supertypen wagen sich da ran. Tina ist ein Maennerkiller. Ein Laecheln genuegt und sie fallen reihenweise. Doch sie bevorzugt Frauen, vernascht Jungs hoechstens zwischendurch. Der Vater der Kleinen war eine Ausnahme. Sie waere gerne bei ihm geblieben, obwohl jeder andere, nur sie nicht, sehen konnte, wie ungeeignet sie fuereinander waren. Sie bereut allerdings nichts. Die Kleine ist ihr alles wert.

    ‚Alkohol!!!‘ – Die Triebe regen sich. Es ist schon fatal, dass sie’s lieber mit Maennern treibt! Speziell wenn keiner da ist.

    Tina mustert sie aus halbgeschlossenen Lidern, nimmt dann die Sektflasche, fuellt nach und prostet ihr zu.

    „Prost!“ erwidert sie und sie lassen die Glaeser klingen. Durchhalten und Weitertrinken! Auch Triebe ersaeuft man damit.

    „Ich geh auf Alpha 7“, sagt Femina ploetzlich.

    Ihre Freundin setzt sich interessiert auf. Alpha 7 ist ein heisser Tip unter den Geniessern. Jeder will wenigstens einmal dort gewesen sein. Denn, ‚Auf Alpha 7 erfuellt sich jederman’s Traum‘, so verspricht es zumindest die Propaganda die um Alpha 7 gemacht wird. Das mag im wesentlichen schon stimmen, doch mit den Details entsteht so manche Verwirrung, sodass Alpha 7 tatsaechlich selber zum Traum wird, den sich nur wenige leisten.

    „Alpha 7“, sagt Tina weich und dehnt die Worte wie Schokolade, die auf der Zunge zergeht. „Und du meinst, du kommst hin?“ fragt sie dann ernst. Jeder weiss, soo einfach ist das naemlich wirklich nicht; es bedarf gezielter Massnahmen.

    Femina nickt, schraenkt aber ein: „Ach ich habe mich tatsaechlich erst jetzt entschlossen, obwohl ich natuerlich sehr oft daran gedacht habe. Warum weiter aufschieben! Ich kann mich zumindest auf den Weg machen!“

    „Na ja,“ konstatiert ihre Freundin trocken. Sie gibt aber zu, dass sie nur die Strapazen des Unternehmens bedenkt, die so sicher auftreten werden, wie das Amen im Gebet, ‚nichts anderes‘. Grad so gut haette sie sagen koennen:

    ‚Alpha 7 ? Na wunderbar! Aber moeglicherweise ueberforderst du deine Verhaeltnissse!‘

    Es stimmt sie nachdenklich,…….. Ihre Sinne fokussieren, treffen sich in einem Punkt……..PENG!!!!…… Sie faehrt hoch.

    „Mensch, Tina!“, sagt sie dann und lacht, weil Tina den ueberschaeumenden Sekt nicht schnell genug in die Glaeser kriegt. Aber der Korken flog im rechten Augenblick. Leider nicht fuer die Kleine. Die ist naemlich auch wach geworden und kennt sich nicht aus. Verstoert schaut sie in die Runde. Fuer sie war’s der falsche Augenblick. Femina lacht und findet das alles sehr witzig. ‚Ach du arme Mutter! Wie kannst du versuchen gleichzeitig allen gerecht zu werden!‘

    „Tut mir leid, mein Schatz,“ sagt Tina bedauernd zu ihrer Tochter. Sie trocknet ihre Haende mit dem langen Schal den sie immer mit sich rumschleppt weil er allen moeglichen Nutzen hat, wie sie beweist. „Ich war abgelenkt. Weisst du, das kommt davon, wenn gleichzeitig verschiedene Prozesse ablaufen. Hast du dich sehr erschrocken?“

    Die Kleine nickt und weiss nicht was sie tun soll. Tina macht eine einladende Geste. Ach, gute Mutter! Dein Herz ist so gross, wenn du es ungeteilt laesst. Die Kleine ist zu Tina ruebergerutscht. Der Kopf in Mutter’s Schoss, Pieta!

    „Prost“, sagt Femina und laesst die Glaeser klingen. „Es lebe hoch!“ Was auch immer sie hochleben laesst, – sie leert den Sekt mit wenigen Schlucken, das Glas feuert sie an die Wand. Ihre Freundin trinkt genuesslich und laechelt amuesiert. Ach, liebe Mutter! Das Ungeteilte im Augenblick ist alles, was du zu beachten hast.

    „Warum geht ihr nicht schlafen?“ fragt die Kleine und reibt sich ihre mueden Augen. „Kommt, geht doch schlafen mit mir!“

    ‚Gescheiter waer’s ja‘, denkt Femina. Aggressionen steigen wieder in ihr hoch. Wie sie das alles anwidert! Schon allein die Gesichter beim ‚Morgenappel‘, – jeden Tag das gleiche, – die wenigsten von ihnen mag sie sehen, denn die wenigsten von ihnen sind beachtenswert. Und trotzdem muss sie mit ihnen verkehren. Na die werden ihr morgen, – sie wirft einen Blick auf die Uhr, – heute, heute schon werden sie ihr auf die Nerven gehen.

    „Also ich wuerde noch gerne ein wenig weiterfeiern“, sagt sie dann. „Deine Mutter und ich, – wir sehen uns so selten, – ich moechte nicht schlafen gehen.“

    Fragende Blicke richten sich an Tina. Die ist auch fuer’s Weiterfeiern. Die Kleine murrt ein wenig, ist jedoch gleich besaenftigt, als Tina aufsteht, um sie ins Bett zu bringen.

    „Schlaft doch bei mir“, ruft ihnen Femina nach. „Mein Bett ist gross genug und ich bin auch ganz leise beim Austehen.“ Die beiden tuscheln und verziehen sich schaekernd durch die Tuer.

    Femina sitzt ploetzlich allein in der naechtlichen Stille. Draussen herrscht dichter Nebel, so dass die grosse Fensterscheibe aussieht, als sei sie aus Milchglas.

    ‚Sie ueberfordert ihre Verhaeltnisse!?‘ Mag sein, bloss sie empfindet es anders. Die Verhaeltnisse ueberfordern sie!

    Sie steht auf, geht ans Fenster und oeffnet es. Sie atmet tief ein, geniesst die feuchtkuehle Luft auf ihrer Haut. Im Nebel verfliessen alle Konturen. Wirklich und wahr sind zwei verschiedene Dinge. Die Wahrheit ist eine Schlange und die Wirklichkeit luegt. Muenchhausen, der Luegenbaron wird zum Meister: Er zog sich selbst beim Schopf aus dem Sumpf. Da macht der Nebel sie glauben, es gaebe keine Sterne, keinen Mond, als existiere da draussen keine Stadt. – Wie laecherlich! – Man weiss schliesslich was wahr ist, und genau betrachtet fehlt es auch nie an Beweisen, hoechstens am Verstaendnis. Sie seufzt tief. Sie ist ganz schoen betrunken! Fuer Melancholie grad der richtige Augenblick.

    Tina kommt zurueck, sieht Femina am Fenster stehen. Sie stellt sich hinter sie, legt die Arme auf ihre Schultern und stuetzt ihren Kopf darauf.

    „Sieh nur, wie der Nebel den Mond verschluckt“, hoert sie Tina’s Stimme dicht an ihrem Ohr. „Ein Vollmond verirrt sich im dichten Nebel……“, sie lacht. Femina spuert die Lachsalven durch Tina’s Koerper gehen. Sie springen auf sie ueber und Lachen durchstreift ploetzlich alle Zellen. Ansteckend! Wohltuend! Ihre Gedanken wirbeln in Bildern durch ihr Gehirn, – ein vergnuegtes Wellenspiel und Wechselspiel.

    „Schau wie der Nebel glaenzt“, hoert sie wieder Tina’s Stimme. „Er schimmert wie Perlmutt.“ Und sie lacht neuerlich.

    Ja, das tut er, der verirrte Mond. Es ist eine Perlmuttnacht. Das eine bedingt das andere und was wirklich ist und was wahr, ist leicht zu unterscheiden: Wirklich ist, dass Tina und sie ganz schoen betrunken sind, wahr ist, dass sie im Augenblick gluecklich sind. Sie bleiben noch ein wenig so stehen, fuellen sich voll mit der Perlmuttnacht. Aber schliesslich wird es ihnen zu kuehl und Femina schliesst das Fenster. Sie setzen sich wieder nieder, – Blutsschwestern.

    „Bevor du wieder reingekommen bist, war ich nahe daran, mich der Melancholie in die Arme zu werfen. Weisst du woran ich gedacht habe?“ fragt sie

    Tina schuettelt verneinend den Kopf und sagt: „Ja“

    ‚Ob man mit ihr ueberhaupt noch ernsthaft reden kann? Wer schielt da?‘ fragt sich Femina und sieht ihre Freundin ploetzlich doppelt. Sie schaut angestrengt. Jawohl, zwei Paar schielende Augen! Und sie sieht Doppelbilder!

    Femina langt nach einer Mandarine aus der Obstschuessel am Tisch und wirft sie ihrer Freundin an den Kopf. Ein gutes Mittel, denn die Doppelbilder verschwinden und Tina schielt auch nicht mehr. Sie lachen und necken sich noch mehr. Tina grapscht nach der Mandarine, die auf der Couch liegen geblieben ist und vertilgt sie als waere sie am Verhungern.

    „Gehen wir in die Kueche“, sagt Femina, „ ich krieg einen richtigen Gusto auf ……hm…… irgendwas, hm…….mmh.“

    Der Vorschlag findet begeisterte Zustimmung und so begeben sie sich in die Kueche.

  • DNS Kapitel 1, Part 5

    Damit kehrt sie mit ihren Gedanken zur Freiheit zurueck. Seltsamerweise weckt das Wort Freiheit in jedem die gleichen Sehnsuechte, obwohl es jeder anders definiert oder interpretiert.

    Sozieterna beschreibt Freiheit einheitlich:

    ‚Nichts sein, Nichts haben, Nichts wollen, Nichts brauchen‘

    Folglich waere der Tod der grosse Befreier, bringt er doch die absolute Freiheit wie es einige Philosophen sehen, vorallen die Existenzialisten oder Materialisten:

    ‚Kein Koerper, kein Besitz, kein Wunsch, keine Notwendigkeit‘

    Das kann mit Leben nicht vereinbar sein! Im Konzept des Existenzialismus stimmt das natuerlich. In Sozieterna’s Konzept stimmt es nur bedingt.

    Sozieternas erleben absolute Freiheit. Sie akzeptieren, dass es ein Zustand ist, der auf Grund der existenziellen Bedingungen, denen alle Lebewesen unterliegen, nicht dauerhaft sein kann. Sie integrieren diesen Zustand allerdings dermassen, dass sie Materie transzendieren. Manche von ihnen koennen das besser demonstrieren als andere, das mag ganz und gar von ihren Lebensumstaenden abhaengen. Gemeinsam ist ihnen, dass alle den Zustand der absoluten Freiheit geniessen, und dass sie sich stets fuer die relative Freiheit einsetzen, die sie als Kraft, nicht Zustand, der physischen Welt verstehen und die damit im Existenziellen verankert und wirksam ist. Absolute und relative Freiheit sind inhaltlich gleich, doch in ihrer Wirkung verschieden da sie verschiedene Ebenen benutzen.

    Die Qualitaeten sind uebertragbar: Nichts sein, oder, kein Koerper, oder, keine Gewichtigkeit. Nichts haben, oder, kein Besitz, oder, keine Stagnation. Nichts wollen, oder, kein Wunsch, oder, keine Herrschaft. Nichts brauchen, oder, keine Notwendigkeit, oder, kein Eigennutz.

    Relative Freiheit kann Probleme verursachen. Femina ist derzeit mitten drin.

    „Stell dir vor, “faehrt sie fort, “vor ein paar Wochen habe ich ihre Schergen in meiner Wohnung gehabt! Wohlgemerkt, als Amtshandelnde!“

    „Tatsaechlich? Was wollten sie denn“, fragt Tina interessiert.

    „Der Oberscherge wollte sich wohl einen Orden verdienen! Es waren vier Mann hoch und ich glaube, sie waren auf eine Probebohrung aus in der Hoffnung so auf die Schnelle was aufstoebern zu koennen. Wie ich gehoert habe, ist das eine weitverbreitete Taktik. Na ja, sie haben es wahrscheinlich notwendig. Manchmal glaube ich, dass die Realitaet nicht wirklich ist, sondern ein Klischee. Die Szenen sind erfunden und ich kann nur mit Staunen reagieren, da sie mit meiner Wirklichkeit so garnichts zu tun haben, ausser mich betroffen zu machen.“

    Sie zuendet sich zur Berichterstattung eine Zigarette an:

    „Also stell dir folgendes vor: Ich habe Freunde zu Besuch, ein Paerchen. Ich bin allerdings nicht zu Hause. Ploetzlich laeutet es an der Tuer. Die Freunde oeffnen natuerlich. Aber es ist keine freudige Ueberraschung. Die Schergen sinds und dementsprechend verhalten sie sich auch. Sie kontrollieren meine Gaeste, durchwuehlen deren Gepaeck und auch noch meine Wohnung, nehmen den jungen Mann mit in ihre Zentrale, lassen die junge Frau voellig schockiert zurueck ohne auch nur die geringste Erklaerung abzugeben. Das ganze ist fuer sie noch schlimmer als fuer ihn,denn sie spricht die hiesige Sprache ueberhaupt nicht. Beide sind Auslaender, aber er hat in diesen Landen gelebt und hat wenigsten keine sprachlichen Schwierigkeiten. Doch seine Fragen fuer eine Erklaerung blieben unbeantwortet. Sie haben ihn fuer einige Stunden festgehalten und wie es scheint einem Verhoer unterzogen, wobei er sich nicht klar werden konnte, was sie wirklich von ihm wollten. Schliesslich liessen sie ihn gehen, aber ich bin heute noch empoert, wie sowas ueberhaupt passieren kann. Ich war in der Arbeit als ich den Telephonanruf meiner Freundin erhielt. Die ganze Angelegenheit ist nicht nur bedauernswert, sondern alarmierend, denn die beiden sind liebenswerte Menschen, sie sind weder Kriminelle noch unlautere Elemente. Tatsaechlich, in welchem Land lebe ich denn, das sich Demokratie nennt aber solche Aktionen erlaubt? Ich leb wohl auf dem Mond! Dass ich Fremde beherberge ist wohl nicht normal! Die Schergen wissen das besser! Sie entscheiden was verdaechtig ist und was nicht! ‚Nachbarn haetten sich beschwert!‘ Damit war es ihre Aufgabe, subversiven Umtrieben oder Elementen nachzugehen! ‚Sie tun nur ihre Pflicht!‘ Das war die Rechtfertigung, die mir der Oberscherge gab, als ich der Sache nachging. Wenn sie wenigsten nur das getan haetten! Schlimm genug, dass meine Nachbarn offensichtlich unter Auslaender Paranoia leiden, aber eine solche Machtdemonstration ist unverzeihlich! Ich habe den Oberschergen sehr wohl um die Rechtfertigung seiner Methoden befragt, doch war das mehr eine rhetorische Angelegenheit, denn was auch immer ich vorbringen konnte, wurde natuerlich in seiner Version widerlegt. Da war nichts zu machen, schliesslich waren es 4 Schergen gegen 2 Auslaender! Aber sie tun ja nur ihre Pflicht! Widerlich!“

    In Erinnerung an diesen Vorfall schuettelt sie sich angewidert. Dabei muss sie zugeben, dass andere Staaten noch schlimmere Methoden anwenden und auf gar keine Fragen antworten. Gerechtfertigt ist allerdings weder das eine noch das andere.

    „Wie kommt es, dass Du diese Gesellschaft soviel besser ertragen kannst, wie ich? Ich meine, Du hast ja auch erst kuerzlich ihre Kontrollmassnahmen kennengelernt.“

    Tina verzieht abschaetzend ihren Mund, zuckt mit den Schultern und meint dann langsam: „Ich bin halt phlegmatisch.“

    Femina antwortet mit schallendem Lachen. Tina gibt vor einen schwachen Punkt zu haben, was natuerlich reiner Unsinn ist.

    „Ein solches Stimga koennte dir doch keiner von uns uebel nehmen“, sagt sie schliesslich. „Ich wollte ich haette mehr davon! Du hast mir allerdings meine Frage beantwortet. Dir geht es nicht anders wie mir. Nur bin ich es, die sich darueber so lauthals aufregt!“

    Sie schauen sich an und laecheln. Femina springt auf, eilt in die Kueche. Sie holt eine Flasche Sekt aus dem Kuehlschrank und zwei kristallene Sektkelche aus dem Kabinet. Wie schoen das Kristall funkelt! Sie laechelt in Gedanken. Sie hat eine Schwaeche fuer alles Schoene, vorallem wenn es funkelt und glaenzt. Ihre Freunde wissen das und Tina neckt sie oft genug. Fuer Femina kann es manchmal eine recht teure Angelegenheit sein, aber das kuemmert sie wenig. Ph!

    Im Wohnzimmer angekommen, setzt sie die Glaeser ab und laesst den Korken dumpf knallen. Sie fuellt die Glaeser. Der perlende Sekt versprueht noch mehr Gefunkel. Tina beobachtet sie mit stillem Lachen.

    „Auf die Sozieterna!“ sagt Femina und hebt ihr Glas.

    „Auf die Sozieterna!“ erwidert ihre Freundin.

    Sie stossen an. Ein feiner Klang! In einem Zug leeren sie die Glaeser und werfen sie an die Wand. So verwandelt sich das Funkeln in Klirren und beide lauschen den Toenen nach. Da war das Wehgeschrei von vielen Sternen und das Lachen ungezaehlter Kehlen. Da war das Jauchzen von befreiten Seelen und der Klang von Unsterblichkeit.

    Femina holt neue Glaeser und legt eine andere Platte auf. Miles Davis, ‚In a silent way,‘ wird ihre Gemueter beruhigen.

    Sie leeren nicht nur eine Flasche. Es werden ihrer drei.

    „Glaubst du, dass wir uns wiedersehen?“ fragt Tina.

    Femina schweigt. Wird sie ihre Freundin wiedersehen? Ganz langsam sagt sie: „Ich weiss nicht. Kommt wohl drauf an in welcher Richtgeschwindigkeit wir uns bewegen.“ Beide schweigen. Wehmut scheint aufzukommen.

    Femina erinnert sich der Schergen wieder. Trotzig verzieht sie ihren Mund. Die Einsamkeit draussen im All scheint grenzenlos, -nur – tatsaechlich ist sie es nicht. Sozieternas bewegen sich in Zeitraeumen und Raumzeiten. Sie koennen sich jederzeit finden auch wenn es nicht selbstverstaendlich ist. Der Angst auf Erden entkommen sie nicht, denn dort ist die Folter endlos und leiden muss jeder allein. Ein Freund kann einem die Einsamkeit nehmen, nicht aber den Schmerz.

    Femina hebt ihr Glas hoch und zwinkert ihrer Freundin zu. Sie werden sich wieder sehen! Egal wo, egal wann. „Prost!“ sagt sie.

    In den geschliffenen Ebenen bricht sich gerade das Licht. Aschenbroedel verwandelt sich in eine unvergessliche Schoenheit. Ihre Fuesse beruehren beim Tanzen nur leicht das Parkett, – von der Ebene in den Raum gleitend, – der Prinz muss diesem Zauber erliegen! Denn es ist wie immer so simpel: ‚Liebe ist des Pudels Kern und Antwort auf jede Frage.

  • DNS Kapitel 1, Teil 4

    ‘Ob einem die Kinder leid tun sollten, die in solch ungewöhnlichen Bedingungen leben? Diese Frage stellen natürlich nur jene, die glauben, dass ihre Art Kinder gross zu ziehen die richtige Art ist. Sozieternas sind viel weniger kategorisch. Das einzige worauf sie bestehen ist, dass jeder Sozieterna für das Wohl aller Kinder verantwortlich ist, ob sie die eigenen sind oder nicht. Die beiden Frauen würden niemals etwas anderes in Betracht ziehen.

    Kinder sind allerdings für Tina und Femina immer ein Thema, weil die beiden so unterschiedliche Meinungen darüber haben. Tina ist stets darauf aus zu testen, ob ihre Freundin nicht doch bereit ist ihren Standpunkt aufzugeben. Früher gab es heftigste Diskussionen. Femina behauptete sogar in einem dieser Wortgefechte , dass Tina die Kleine ohnehin nur habe, weil es ihrem Eigennutz diente. Freilich das war der Versuch unfairer Taktik, sozusagen der Schlag unter die Gürtellinie, aber Tina blieb ihr nichts schuldig. Femina’s Kinderlosigkeit sei schliesslich auch nichts anderes. Der Streit endete mit Gelächter und wurde, wie immer, auf ein andermal verschoben.

    Das Thema Kinder ist nicht nur aktuell weil Femina kinderlos ist, sondern erst recht, wenn sich die beiden Gedanken um die Zukunft machen. Darum liegt es auch heute wieder in der Luft, denn Femina hat die Nase voll von allem, während Tina entspannt ist und Optimismus ausstrahlt.

    Sie haben eine Weile geschwiegen, sind in ihren Gedanken. Hin und wieder mischen sich alltägliche Geräusche in die Stille, ein Klirren der Teeschalen, ein langer Atem, das Klicken eines Feuerzeuges.

    Femina steht auf um eine Platte aufzulegen. Sie hat eine Ansammlung von diesen, aus alten Zeiten, die zum Teil ziemlichen Seltenheitswert haben. ‚Karma‘, das ist es wonach ihr jetzt zumute ist. Die Musik wirkt sofort, – ein Zaubermittel! All ihre Unlustgefühle kann sie der Musik in den Rachen werfen. Musik schluckt diese einfach hinweg,- als Klänge erscheinen sie dann wieder und schlüpfen so zurück ins Gehirn. Aber die Klänge lassen die Membranen anders schwingen wie es zum Beispiel Aggression tut. Musik ein Zaubermittel? Gewiss, ist sie doch ein Transformer, und das ist garnicht so neu.

    Femina blinzelt zu ihrer Freundin rüber. Die ist grade auf mütterlich drauf, denn sie sieht nach der Uhr, dann zur Kleinen, die ohnehin selig schlummert, und bleibt schliesslich an Femina hängen. Femina verzieht spöttisch ihren Mund. Das Thema Kinder steht zur Debatte, aber Tina gibt sich der Erinnerung hin: „Weisst du noch wie wir uns eigennützig beschimpft haben? Lächerlich nicht wahr, denn wir beide s i n d eigennützig. Worum geht es denn wirklich? Ums Rechthaben? Wer moralisch besser da steht? Um Bekehrung?“

    „Ach, Tina Herzchen“, stimmt Femina ihr hocherfreut zu, “ich bin zwar der Meinung, dass unsere Kinder es nicht leicht haben, aber ich kann andererseits sehr wohl sehen, wie gut es ihnen geht. Sei’s drum! Und dir steht die Mütterlichkeit äusserst gut.“

    „Dir auch“, erwidert ihre Freundin und grinst unverschämt.

    „Ich bin nicht mütterlich!“ protestiert Femina. Aber Tina verdreht nur ihre Augen und seufzt: „Ach was,“ sagt sie dann, „du bist doch die reinste Glucke, die man sich vorstellen kann.“

    Femina antworted mit Achselzucken. Sie hört auf die Musik. Leon Thomas verschafft sich Gehör:

    „The creator has a master plan, peace and happiness for every man…………..”

    Femina hört aufmerksam zu. Ihre Augen wandern nach irgendwo. Dort sind die Träume leer, denn dort lebt der Traum und braucht sich nicht zu träumen.

    „Ga, ga, ga, gaaaa…“, sie kommt zurück von der Ferne, versucht ein Huhn nachzuahmen, schlägt dabei mit angewinkelten Armen, als hätte sie Flügel. Tina schmunzelt und Femina hört auf mit dem Gegacker, schaut Tina stirnrunzelnd an bis sie beide schallend lachen. So gegensätzlich, so einträchtig sind sie. Sozieterna macht es möglich, kein anderes System kann Opposition so friedlich vereinen. Da sitzen sich zwei Frauen gegenüber, davon meint eine, Kinderkriegen und –haben sei eine Bereicherung ihrer Existenz. Die andere findet es ein Hindernis. Da sagt die eine, wie schön es sei, neues Leben zu schaffen. Die andere findet, dass nicht einmal das Bestehende gut genug ist. Tina redet von ‚Kreativität‘, Femina von ‚Verpflichtung‘. Der Same sei bereits ein Geschenk! Dabei fängt spätestens dort die Forderung an! Schwangerschaft gibt? Schwangerschaft nimmt! Und so geht das weiter bis zur letzten Konsequenz, die mit aufkündigen der Freundschaft oder gar mit Kampf enden könnte. Hier wird schliesslich SEIN oder NICHTSEIN zur Konfrontation gebracht. Aber Tina und Femina bekriegen sich nicht, sondern lachen miteinander. Sie brauchen sich nicht nach einer übergeordneten Moral zu richten. In Sozieterna richtet man sich nach dem Grundsatz: Wenn schon Leben, dann im Sinne von Bewusstsein. Und darin hat die ganze Vielfalt Platz. Gegensätzliches schliesst sich nicht aus, sondern ein. Das Yin und Yang in Schwarz-Weiss ist nicht umsonst ein Emblem im Wappen ihrer Gesellschaft.

    „Weisst du“, sagt Femina, „manchmal überwältigt mich das Grauen, wie die geistige Entwicklung der Menschheit dem einzelnen Menschen davonläuft. Sieht aus, als könnte er seine eigene Potenz nicht erfassen, kann aber die Geister nicht mehr los werden, die er gerufen hat. Ich habe es so satt, in den Wirbel jener hineingezogen zu werden, die wirklich n i c h t wissen, w a s sie tun. Von mir aus braucht die Geschichte nicht weiterzugehen, – zumindest nicht auf die herkömmliche Art. Mir tun am meisten die Kinder leid.“

    „Meine liebe Femina, ich weiss,“ antwortet Tina gefühlvoll, „ich verstehe dich nur zu gut! Ich sorge mich schliesslich auch. Aber du wirst sehen, – es wird, – es muss anders werden! Die grosse Ablöse liegt in der Luft. Du kannst tatsächlich den Umschwung, ja den Umbruch spüren! Das totale Chaos wird sich neu formieren. Kein Grund zum pessimistisch sein! Natürlich verstehe ich, dass du deprimiert sein musst, bei dem Druck, dem Du im Moment ausgesetzt bist. Aber lass dich nicht irritieren. Die Masse ist nun einmal träge. Es bedarf der Kräfte sie zu rühren und die Kräfte bedürfen des Momentum. Wir alle unterliegen diesem Gesetz. Es ist das Einmaleins unseres Daseins. Erlaube mir, dich daran zu erinnern.“

    Femina zuckt mit den Schultern. „Es ödet mich einfach an zu warten! Und die ignoranten Leute rund um mich gehen mir total auf die Nerven. Da träumen sie von Freiheit, aber den Freidenker hassen sie. Tatsächlich haben sie Angst vor der Freiheit, schon gar, sie zu leben. Ich meine, verstehen kann ich es ja, aber mögen tu ich’s nicht. Dabei wäre ich sogar bereit, den Ignoranten ihre Angst und ihr Unwissen, ja ihre Unfähigkeit zu verzeihen. Doch sie sind so selbstbesessen, und mich mit ihren Konflikten beladen zu wollen, das geht zu weit. Ihren Mist sollen sie sich behalten. Ich bin schliesslich nicht die Müllabfuhr, die’s schliesslich auch nur gibt, weil keiner seinen eigenen Dreck wegputzt. Es reicht, dass ich diesen Mist zur Kenntnis nehmen muss, aber drum bleibt mir aber auch garnichts anderes übrig wie mich baldigst davon zu machen.“

    Tina gluckst vergnüglich und meint, dass sie ‚Arbeitsplätze‘ wegrationalisiere. Ausserdem war von den Kindern die Rede und das stünde auf einem anderen Blatt Papier. Femina schüttelt den Kopf. Diese Dinge stehen in Beziehung zueinander. Während Femina sich für den Genocid entscheidet ist Tina für die Genese. Die Zukunft kann weitergehen auch ohne ihr Zutun. Tina gleicht die Bilanz aus.

    „The creator has a master plan………., love and peace for every man…….”

    “ Es ist höchste Zeit, der Urangst den Schrecken zu nehmen. Sie bedarf schon längst einer Analyse“, sagt sie plötzlich und ganz unvermittelt. Neuerliches Schweigen.‘ Von Angst besetzt sein, heisst schliesslich unfrei sein, jedenfalls dort, wo die Angst sitzt‘. Sie folgt ihren Gedanken, die offensichtlich ihren eigenen Weg gehen.

    „Ich kann nicht verhindern, dass die Unfreiheit anderer, meine Freiheit gefährdet.“ Sie zitiert: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem Nachbarn nicht gefällt.“ Ungewöhnliches ist verdächtig, nur das Normale bestimmt den Lebenszweck! Ich kann es einfach nicht lassen! Ich muss mich für die Freiheit einsetzen! Allerdings, ausser unseren Leuten versteht kaum jemand, was damit gemeint ist. Leider bin ich aber auch nicht für den Heldentod. Folglich, Flucht ist die einzige Alternative, die mir vernünftig erscheint!“

    Tina nickt und meint abschätzig: „Männerwelt! Das Patriarchat rast auf den Abgrund zu, und alles rast mit! Du bist dir hoffentlich klar darüber, was dein Abzug bedeutet? Schliesslich liegt es jetzt an uns Frauen zu handeln. Wir Frauen müssen für die Freiheit kämpfen! Wir Frauen müssen das Steuer herumreissen! Wir müssen die Geschicke in die Hand nehmen! Du weisst wie wenig Chancen wir sonst haben……“

    Femina zuckt mit den Schultern: „Als Frauen? So gut wie gar keine! Schau dir doch das Schicksal der Frauen in dieser Welt an! Frauen sind zum Scheitern verurteilt, – bevor sie denken dürfen, bringt man sie auch schon um. Na und wir, die Sozieterna, machen das Kraut auch nicht fett. Schade? Nicht unbedingt! Unfähiges stirbt. Warum sollte man über die Menschheit weinen? Freilich, dass alle mitgefangen ist durchaus ein Grund. Leider kann ich die Dekandenz nicht teilen, mit fliegenden Fahnen unterzugehen. Ja, ja, die Masse ist träge, aber es dient nun mehr der Entschuldigung als recht ist. Faulheit ist eher zutreffend, und die wird zur Fäulnis. Zudem habe ich herausgefunden, dass die Zeit über mich verfügt. Ich muss daher reagieren. Zur Zeit jedenfalls bin ich meiner Nomadennatur total dankbar. In ihr liegt meine Stabilität und im Genocid meine Antwort. Was uns zwei betrifft, ich bin der Schwarzseher, du die Weissmalerin.“

    Tina lacht vergnügt und streckt ihr Kreuz durch. „Ganz meine Meinung“, sagt sie. Femina wartet ein wenig. Nachdem sie beim Thema der Geschlechter gelandet sind, überrascht es sie, dass ihre Freunde keinen weiteren Einwand hat und sich nicht einmal nach Femina’s Liebesleben erkundigt, zumal es zur Aufheiterung beitragen könnte. Eine schöne Liebesaffaire bedeutet schliesslich Lust statt Frust. Wahrscheinlich glaubt sie, ihre Freundin hat nichts dergleichen zu berichten, denn sie ziehen heute schliesslich einhellig über die Männer her. Das ist sonst selten der Fall. Tina mag zwar Männer nur sehr bedingt, einschliesslich Sozieternas. Denen gibt sie zumindest den Bonus, dass sie, ihrer Meinung nach, nicht schaden und für die Aufzucht der Kinder notwendig sind. Anders ist es mit Femina. Sie mag Männer. Sie bevorzugt Sozieternas, aber sie ist keineswegs den anderen abgeneigt, speziell wenn sie ihr Interesse wecken, welcher Art auch immer. Die beiden finden Zweigeschlechtlichkeit absolut interessant, nicht nur, weil sich diese nun mal nicht verleugnen lässt, sondern weil es eine Grundsatzdiskussion ist. Für Femina ist es obendrein noch Vergnügen. Offensichtlich steht der vergnügliche Aspekt dieses Gegenstandes heute nicht im Programm. Femina ist viel zu sehr mit ihren Frustrationen beschäftigt und beim Thema Freiheit stecken geblieben. Sie beendet daher ihren kurzen gedanklichen Seitensprung mit einem bekannten Zitat: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge.“

    Doch die Quelle fliesst auch. „Sie ist die Mutter aller Dinge!“

  • DNS Kapitel 1, Teil 3

    Sie sind Angehörige einer Minderheit, einer Volksgruppe, die sich gravierend von anderen Völkern und ethnischen Gruppen unterscheidet, nicht nur weil sie zahlenmässig klein sind, sondern vor allem, weil sie staatenlos sind. Sie haben weder eine externe Staatszugehörigkeit, noch eine interne Staatsstruktur. Sie haben weder eine Regierung, noch einen offiziellen Representanten, dem Kompetenzen zustehen. Jeder von ihnen representiert sein Volk und jeder kümmert sich um die Obliegenheiten, die entstehen oder vorliegen. Sie haben keine eigene Gerichtsbarkeit und keine Staatsgewalt. Sie haben Religionsfreiheit, und keine Priesterschaft. Die wenigsten gehören einer Religionsgemeinschaft an. Es ist diesselbe prinzipielle Einstellung, wie sie es mit dem Staatsangelegenheiten halten. Jeder kuemmert sich um seine eigenen spirituellen Bedürfnisse und Angelegenheiten. Es genügt zu sagen, dass sie weder gottlos noch agnostik, noch Existentialisten oder Materialisten sind. Doch ihre philosophischen oder theosophischen Grundlagen sollten ein andermal diskutiert werden.

    Traditionellerweise sind sie Nomaden und nennen ganz allgemein, nichts ihr Eigentum. Sie benützen die Dinge nur. Mann und Frau sind gleichberechtigt, beide sind emanzipiert. Ihre sozialen Bindungen sind stark, als Volksgruppe im allgemeinen, aber auch untereinander, wobei tiefe Beziehungen und partnerschaftliche Arrangements zwischen den Geschlechtern und innerhalb eines Geschlechtes akzeptiert sind. So gibt es Pärchen, Kommunen, gemeinschaftliche Haushalte, oder getrennte. Auch räumliche Distanzen lassen keinen Schluss auf die Intensität einer Beziehung zu. Wenn erforderlich, trennt man sich eben für eine Weile, da sie nicht der Ansicht sind, dass tiefe Gefühle füreinander von heute auf morgen verschwinden können, falls überhaupt.

    Die Völkergruppe lebt weit verstreut, aber jeder von ihnen hat den Wunsch nach Zusammengehörigkeit und Verbundenheit. Daher haben sie eine gemeinsame Sprache, auch wenn sie vielsprachig sind. Sie bedienen sich vorwiegend mündlicher Überlieferung, da ihr flexibler Lebenskodex internalisiert ist, aber sie verfügen über gemeinsame Bildungsprogramme, betreiben Medienpolitik und fördern Wisssenschaft und Kunst, der ihre besondere Liebe gilt, sowohl konsumierend als auch praktizierend. Sie besitzen eine der grössten Gedächtniss-Computer-Anlagen, die es derzeit gibt und deren sich jeder von ihnen bedienen kann. Füttern tut sie schliesslich auch jeder.

    Es gibt eine Stadt, Solarsol, oder das sogenannte Camp. Dort treffen sie sich, wenn sie ihresgleichen finden wollen. Es wird ausschliesslich von ihnen bewohnt, nicht weil sie keine Fremden wollen, sondern weil Fremde nie, oder nur extrem selten hinkommen. Irgendwann besucht jeder von ihnen diese Stadt. Femina war ebenfalls schon dort gewesen. Sie erinnert sich zu gerne an diese Zeit, – schöne Erinnerungen, bleibende Erinnerungen, aber auf all das jetzt einzugehen, würde zu weit führen, das soll eine andere Geschichte bleiben. Eines steht jedenfalls fest, – ein Sozieterna zu sein, ist ein Privileg, das niemand von ihnen freiwillig aufgäbe. Das Camp ist zwar ihr Zentrum, ihr Treffpunkt, aber da sie vorwiegend Nomaden oder wie man es heute sieht, Kosmopoliten sind, begegnet man ihnen, beziehungsweise begegnen sie sich überall, dort mehr, da weniger, in kleinen Gruppen oder vereinzelt, aber eben überall. Das nützen sie dann immer, um Feste zu feiern. Sie sind nämlich ein sinnliches Volk, dem Leben herzlich zugeneigt. Es werden Erfahrungen ausgetauscht, Tips weitergegeben, aber vorallem geniessen sie die Geselligkeit und ihre Feste sind berühmt, auch bei Artfremden. Sie sind daher gerne gesehen. Sie als Gäste zu haben, ist nämlich immer interessant. Allerdings, gerade deshalb und vorallem bei Fremden, haben sie den Ruf, leichtsinnig oder gar amoralisch zu sein.

    Es kann allerdings geschehen, dass man sich lange Zeiten nicht trifft, dass das Untereinander oder Miteinander nicht möglich ist. Daher mischen sich Sozieternas sehr wohl mit anderen Völkern. Tina’s Kind ist der Sprössling einer solchen Beziehung. Was hat sie ihre Freundin damals gewarnt: Lass die Finger von ihm! Ihr seid doch total verschieden! Das kann nur Probleme bringen! Nun ja, leider hat sie recht behalten, wie sie befürchtet hatte. Andererseits, es gibt ganz allgemein Probleme zwischen ihnen und anderen Volksgruppen, allein durch die Tatsache ihrer Verschiedenheit – keiner kommt drum herum, und alle Menschen sind verschieden. Sie hatte kein Recht, Tina dreinzureden.

    Das beleuchtet eine andere bezeichnende Charaktereigenschaft der Sozieternas. Sie sind uneingeschränkt tolerant. Sie sind friedliebend und kennen den Krieg nur, weil andere ihn führen. Das heisst aber nicht, dass ihre prinzipielle Gewaltlosigkeit anderen gegenüber sie zu kampfunfähigen, kraftlosen und schon äusserlich sichtbar schwachbrüstigen Menschen gemacht hat. Man könnte das wohl annehmen, weil der Wille zum Siegen doch auch viel mit körperlicher Ertüchtigung, Schulung und Kampftraining zu tun hat. Ganz das Gegenteil ist der Fall. Sozieternas sind ein aussergewöhnlich starker Menschenschlag, mit gesunden Körpern und vitalem Geist. Medizinische Vorsorge ist obligat, das therapeutische Wissen eines der besten überhaupt, ihre Gesundheitsmassnahmen sind vorbildlich und das nicht nur weil sie den Anweisungen der Spezialisten Gehör schenken. Jeder einzelne weiss grossartig Bescheid und gibt auf körperliche sowie geistige Gesundheit acht. Das macht sie attraktiv. Unter ihnen befinden sich aussergewöhnliche Schönheiten und wirklich Vollendete. Sie sind jedoch keineswegs auf äusserliche Schönheit fixiert, aber haben einen ausgeprägten Schönheitssinn. Wahrscheinlich liegt das auch daran, dass sie die Geschichte schon so lange überlebt haben, – sie sind kultiviert, feinsinnig, gebildet. Dekandenz und Eigenzüchtung bleibt ihnen erspart, dafür leben sie zu gesund und mischen sich oft genug mit anderen. Die Kinder bleiben normalerweise immer in Sozierterna‘s Obhut, solange jedenfalls, bis diese ihre eigenen Entscheidungen treffen können.

    Sozieternas haben mit der Zeit ihrer langen Existenz spezielle Fähigkeiten entwickelt, die zum Teil, wie es mit Kultivierung so vor sich geht, ihr Erbgut geworden sind, die aber andererseits kontinuierlich gelehrt, gepflegt und praktiziert werden müssen. Ohne ihre Anwendung im täglichen Leben, würden diese Fähigkeiten wohl als Anlagen bestehen bleiben, was sie ursprünglich ohnehin waren, aber ihre Bedeutung verlieren, so wie der Muskel seine Kraft verliert, wenn er nicht gebraucht wird. Diese Fähigkeiten werden von anderen Menschen einerseits bewundert, andererseits abgelehnt, je nachdem. Es kann schlimmstenfalls zu ihrer Verfolgung oder gar Vernichtung führen. Sozieternas sind nämlich empfindsame Seismographen. Sie verstehen Körpersprache, können Menschen lesen. Das sind Fähigkeiten, die nicht nur Staunen oder Missgunst hervorrufen, sondern auch Angst. Sie sind bedrohlich für solche, die etwas zu verbergen haben, und sei das auch nur der eigenene miese Charakter. Untereinander ist sich die Sozieterna einig, dass diese Fähigkeiten ihrem Selbstschutz dienen und durchaus ausreichend sind. Das stimmt allerdings nur bedingt, denn es ist tatsächlich nicht mehr als hilfreiche Warnung, die nicht unbedingt einen Angriff verhindern kann.

    Sozieternas haben ausserdem ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Sie halten sich zwar nicht für elitäre Weltenbürger, aber das tun andere für sie. Es kann jedoch zu Missgunst, Neid und Eifersucht führen. Es kann schlichtweg lebensbedrohliche Formen annehmen, vorallem wenn diverse Glaubens- oder Staatsordnungen sich in Frage gestellt sehen. Sozieternas halten sich für normale, durchchnittliche Lebewesen des Kosmos, aber auf Grund ihrer Anlagen, Entwicklung und Erziehung sind sie dem Allgemeinen Ziel näher, als es sonst jemand sein könnte, und nachdem sich alle sehnen, Sozieterna oder nicht. Das findet sich in ihrem eigenen Zeitbegriff und ihrer Zeitrechnung: Sie sind im Jahre 0. Und im Jahre 0 ist das Allgemeine Ziel die Erkenntnis. Im Jahr 2000 oder was auch immer, wissen sie es nicht genau. Dort hat sich der Schwachsinn noch immer nicht weiterentwickelt. Das Ergebnis ist bekannt: Die Menschen fliegen zum Mond, erleben die kosmische Weite, nur zu sich selbst finden sie nicht. Dabei sind Selbstbewusstsein ( im Sinne von sich seiner selbst bewusst sein ), und Seinsbewusstsein ( im Sinne sich seines Seins bewusst sein ), ident. Das 3. Jahrtausend mag vielleicht besser werden. Es klingt jedenfalls vielversprechend: Raum – Zeit – Alter. Ob da was draus wird? Darauf lässt es sich nicht einmal wetten. Die Zeit mag dafür viel zu kurz sein.

    Aus all diesen Gründen haben Sozieternas natürlich kein Identifikationsproblem. Sie können sich selbst und ihre Artgenossen immer erkennen. Für Artfremde brauchen sie dazu bloss einen Sinn, schon garnicht fünf. Die Schwachsinnigen, von ihnen so genannt, weil sie schwache Sinne haben, wissen umgekehrt Sozieternas nicht geradewegs zu orten. Dem Himmel sei Dank! Es erleichtert ihnen einiges. Konfrontationen mit Andersdenkenden sind nun mal problematisch und wie gesagt, unter Umständen gefährlich. Wenn nicht unbedingt nötig, halten sich Sozieternas aus Konflikten raus. Sie propagieren keine ihrer Ansichten oder Überlieferungen und sie kümmern sich wenig um das Urteil anderer. Ausserdem wissen sie, dass Bewunderung nicht besser als Verfolgung und Intelligenz kein guter Ersatz für schwache Sinne ist. Auch dass sie Nomaden sind, hat seine Gründe und seinen Sinn. Sie können nämlich fortgehen, während andere stagnieren. Sie haben keine Angst, etwas zu verlieren. Sie besitzen ja nicht viel. Dinge zu benützen und nützen, das ist ihnen genug. Ihr Augenmerk richtet sich darauf, das Leben zu geniessen, nicht, es zu zerstören.

    Dass sie gerne Feste feiern wurde bereits erwähnt. Eine Eigenschaft sei diesbezüglich besonders hervorgehoben, weil es ihren Sinn für Farbenpracht und Dekoration demonstriert. Sie schmücken sich gerne, sie lieben es bunt, wobei besonders die Schmetterlinge es ihnen angetan haben. Parties in den Tropen werden zu einer Augenweide, denn die bunten Falter sind dort ja bekanntlich besonderns zahlreich und prächtig. So manch einmaliges Exemplar ziert da das Haar und dort eine Schulter. Den Ausgang eines solchen Festes bildet meist das sogenannnte Schmetterlingssteigen. Dabei lassen sie die Tierchen auf ein Kommando fliegen. Manchmal wird daraus eine Flatterorgie. Manchmal dauert das länger bis die Tiere ihre Freiheit wahrnehmen. Es scheint ihnen zu gefallen, ein Schmuckstück zu sein.

    Über Sozieterna liesse sich noch vieles sagen, doch die wesentlichen Merkmale sind damit wohl beschrieben worden. Jedem Leser ist somit klar, um welche Art von Gesellschaft es sich da handelt, oder? Der Bogen mag vom Hippie bis zum Zigeuner bis zum Anarchisten reichen. Das sei dem Leser überlassen, wie er interpretieren will. Wobei zu sagen ist, dass diese Beschreibung, nur die Oberfläche berührt hat. Einige sehr wesentliche und fundamentale Prinzipien sind unangetasted geblieben, aus dem einfachen Grund, sich nicht in philosophischen Konzepten zu verlieren, die besser später oder anderswo zur Sprache gebracht werden können.

  • DNS, Kapitel 1, Teil 2

    “Ach”, meint Femina und macht eine Wegwerfbewegung, “der Boss steht doch nur für vieles, das mir sauer aufstösst. Ich weiss garnicht, ob er der Schlimmste von allem ist.“ Und sie denkt an ihre Kollegen. “ Der Boss ist ein Reaktionär, intelligent, das macht ihn gefährlich, aber die Untergebenen sind kritiklos und dumm, sie sind deshalb nicht minder eine Gefahr. Die Katze beisst sich in den Schwanz, das System ist so perfect – ”Daumenschrauben“-. Eigentlich dürfte ich garnicht böse sein, auf niemanden. Ich bin’s, die da nicht hineinpasst“. Sie unterbricht sich kurz.

    “Ich glaube, ich bin menschenscheu geworden, und Menschenverächterin.—- Wenn manche bloss den Mund aufmachen und ihre Kommentare von sich geben, die ihre Borniertheit, ihre ganze Missbildung zeigen…….“, sie schüttelt den Kopf, ”dann hilft mir um mich zu distanzieren, nur meine Arroganz und mein Selbsterhaltungstrieb.“

    ”Du nimmst das alles viel zu schwer“, erwidert Tina. ” Du kränkst dich , völlig unnötig. Das weisst du doch genau, oder?“

    Femina verzieht spöttisch ihren Mund und nickt. Ihre Freundin hat natürlich recht. Was erwartet sie sich von einer Gesellschaft, die völlig unfähig ist, – nämlich liebesunfähig? Kränkung ist ein anerkanntes Gesellschaftsspiel. Was will sie von einer Gesellschaft, die Menschen würde nicht kennt, sondern nur Menschenmaterial? Ihr Bauch krampft sich zusammen. So deformiert man Seelen. Aber sie wehrt sich immer noch.

    ”Ach Tina“, sagt sie, „wie gut, dass du da bist! Doch wie steht’s mit dir? Hast du keine Probleme, die dir die Stimmung verderben?

    Tina verdreht die Augen: „Klar doch! Mehr als genug! Aber du weisst ja, ich bin mein eigener Boss, dadurch bleibt mir einiges erspart. Die Probleme die ich habe, drehen sich mehr um die Kleine. Das finde ich zum Heulen. Da ist mir doch tatsächlich das Nachwuchsdepartment auf den Pelz gerückt!! ‚Das Kind werde in unmoralischen Verhältnissen grossgezogen!!!!‘

    Dazu ist zu sagen, dass Tina derzeit nicht im selben Staat wie Femina lebt. Man ist dort zwar wesentlich weiter fortgeschritten, technologisch, und auch was den Lebensstandart betrifft, das Volk aber ist berühmt fu/r seine strikte Arbeitsauffassung und erst recht für seine hausbackene Moral. Gelinde gesagt, sie sind ausgesprochen prüde, weil sie glauben, dass Fleiss nur auf dem Boden von Ordnung gedeihen kann, – ihrer Ordnung natürlich und ihren Vorstellungen gemäss.

    „Nicht zu glauben“, erwidert Femina prompt

    „Doch, doch! Du kannst es ruhig glauben. Die Eltern meines Ex kämpfen um das Erziehungsrecht, – und er will mir damit eines auswischen. Er kann’s mir nicht verzeihen, dass ich ihn verlassen habe, schon garnicht, wie er glaubt, wegen einer Frau.“

    „Ich habe nie verstanden, was du an diesem Macho gefunden hast. Mit einem der nicht unserer Art ist, kann eine Beziehung nicht gut gehen. Und dann auch noch ein Kind von ihm!“

    „Komisch nicht wahr, heute versteh ich’s auch nicht mehr. Aber damals habe ich wirklich geglaubt, es sei möglich.“

    „Ja und wie stehen die Dinge?“ will Femina wissen

    „Ach ganz gut. Ich hab mir natürlich eine Anwältin genommen und die kennt sich in dieser Materie gut aus. Schlimmstenfalls muss ich halt das Land verlassen. Die Kleine kriegen sie auf keinen Fall. Niemals! Da werd‘ ich zur Löwin.“

    „Wieso wollen die mich haben“, mischt sich die Kleine ins Gespräch. „Ich will garnicht von dir weggehen!“

    Tina lächelt: „Das weiss ich mein Schatz“.

    „Sie wollen dich haben, weil du ein Schatz bist“, meint Femina, „aber sie würden dich nicht behüten, wie deine Mutter das tut. Sie würden dich besitzen, dir ihre Stempel aufdrücken, ohne dich zu fragen, ob du das willst.“

    Die Kleine sieht sie entsetzt an.

    „Mach ihr doch keine Angst,“ sagt Tina

    „Tu ich das?“ erwidert Femina. „Aber so ist es doch! Die Wahrheit ist manchmal zum Fürchten.“

    „Der Ernst des Lebens kommt noch früh genug. Sie soll nicht zu früh ihre Unbeschwertheit verlieren. Das möchte ich nicht! Sie soll ein fröhliches Kind sein!“

    „Aber Tina,“ antwortet Femina, „warum sollte ein fröhliches Kind nicht auch ein denkendes Kind sein!“

    „Na dann, ich will sie halt nicht aufhetzen, oder dass sie Vorurteile kriegt!“

    Femina sieht ihre Freundin aus schmalen Augen an und lächelt spöttisch: „Entschuldige wenn ich lache. Das kann doch nicht dein Ernst sein! Ist es Dir lieber, wenn sie unvorbereitet die Wahrheit erfährt?“

    „Die Warnung vor dem Bösem also,“ meint Tina zögernd

    „Wie immer du das nennen willst,“ sagt Femina, „ aber ich nicht ihre Mutter. Du trägst die Verantwortung für ihre Erziehung. Mir musst Du allerdings die Freiheit lassen, meine Meinung kund zu tun. Diskutieren ist doch wohl noch erlaubt, oder?“

    Tina lächelt wieder, zieht eine bezeichnende Grimasse, was soviel heisst wie ‚Kindererziehung‘, wer will schon sagen, ob das richtig ist, was man so tut!

    „Drücken die mir wirklich Stempel auf? Wohin denn? Auf meine Haut?“ Die Gedanken der Kleinen sind anscheinend beim Schmerz hängen geblieben.

    „Siehst Du, jetzt hast du ihr Angst gemacht“, meint Tina vorwurfsvoll.

    „Ich habe keine Angst!“, erwidert die Kleine mit fester Stimme. „Ich würde sie kratzen und beissen, und ihr würdet mir doch helfen, nicht wahr?“

    „Und ob“, erwidern die beiden Frauen gleichzeitig und lachen befreit.

    Tina erklärt der Kleinen die Dinge genauer. Kinder sind wissbegierig, und das Warum ist eine wichtige Frage. So vergeht die Zeit im Flug. Femina späht zu ihrer Uhr, die nur klein ist und ganz verlassen, auf einem Regal in einer leeren Ecke steht. N o c h Zeit! Aber langsam muss sie daran denken, schlafen zu gehen, will sie morgens halbwegs fit sein. Und damit kehrt der Grieskram zurück.

    „Sie versuchen eine Maschine aus dir zu machen. Eigenleben hast du am besten keines, und einen anderen Schlaf-Wach Rythmus zu haben als den genormten, ist beinahe ein Verbrechen. Zumindest wird darauf niemand Rücksicht nehmen. Überhaupt, wer Spass am Leben findet, der ist von vornherein suspekt, haben dieses Privileg doch nur jene, die sich’s durch Arbeit verdient haben, – wobei die ohnehin zu müde sind, oder keine Zeit haben. Oder jene, die Geld besitzen, ererbt oder gewonnen, – das sind die wirklich “Glücklichen. Alle anderen kriegen beim Gedanken an Glück schon ein schlechtes Gewissen. Normalerweise ist man erst glücklich, wenn man gestorben ist. Das Paradies wartet, nur ist das erst recht nicht umsonst. Verrückte Tina, alles Verrückte!“

    „Der Durchschnitt bestimmt, was normal ist und was nicht,“ meint diese trocken.

    Das ist so typisch ihre Freundin. Was kann man dagegen sagen! So schnell lässt sich Femina aber nicht bremsen.

    „Und was ist mit der Liebe? Liebe! Ich höre immer von Liebe. Aber das ist es: Hören tut man von ihr viel, bloss………. Manchmal bin ich mir garnicht sicher, ob sie überhaupt noch existiert. Sie scheint eher ein abstraktes Wort zu sein, das irgendjemand in einen Traum geflüstert hat“

    „Arme Femina“, sagt da Tina mit Ernst. „Du bist wirklich ganz unten. Aber denk an das Wellenspiel, oder besser, den Surf den du so liebst…….Du hast dich hineinfallen lassen, und nun wirst du durchgerüttelt. Das schmeckt bitter aber ist doch nur eine der möglichen Sensationen. Das hast du doch hoffentlich nicht vergessen!“

    Femina schütelt verneinend ihren Kopf: „Ich hab bloss zuviel davon bekommen und das bekommt mir nicht!“

    Da lacht Tina wieder und meint nur, es sei wirklich dringend, ja zwingend, dass Femina abreist. Sie verstehe sie zu gut, sind sie doch grundsätzlich und auf jeden Fall einer Meinung. Ihre eigene Praxis sei voll von deformierten Leuten. Und die Krankenhäuser ebenfalls, wie Femina zu berichten weiss. Sie ist nämlich ein Gesundheitsapostel. Die beiden granteln noch eine Weile fort, und erzählen sich Diverses aus ihrem Berufsleben. Ein reger Meinungsaustausch entsteht, denn, – Körper und Seele bilden an sich eine Einheit, auch wenn sich das in ihrem beruflichen Umfeld noch nicht ernstzunehmend etabliert hat. Seelen haben nur in der Kirche Platz, und Körper kann man reparieren. Psychohygiene? Wer betreibt die schon! Fällt doch den meisten bereits das Zähneputzen schwer. Femina findet, dass die fehlende Verantwortung gegenüber sich selbst, schlechthin zu Verantwortungslosigkeit gegenüber alles und jedem führt. Fraglos, es ist so bequem, Verantwortung zu delegieren. Na ja, damit entstehen neue Jobs, und der Psychotherapeut darf auf Seelensuche gehen, und der Mediziner klempnern, – beide mit der Auflage, nicht am System zu kratzen. Denn, – Schuster bleib bei deinem Leisten! Politik ist schliesslich Sache der Politiker, und die wissen ganz genau, was für das Wohl ihres Volkes wichtig. Tina grinst. „Zumindest wissen sie genau, was ihnen selber dienlich ist“.

    Femina zündet sich eine neue Zigarette an und nimmt sich eine neue Tasse Tee. Ihr Groll hat sich verflüchtigt. Es hinterlässt eine wohltuende Leere. Die Kleine ist nun doch eingeschlafen und für die Nacht steht’s bald Halbzeit. Es erinnert sie wieder daran, dass sie morgens früh aufstehen muss. Aber, sei’s drum……. uninteressante Arbeit wird nicht interessanter, nur weil man ausgeschlafen ist. Sie fällt einem höchstens leichter.

    „Ach ich geniesse es, dass ich mich so ungeniert ausschimpfen kann, und dass Du mir nicht mit blödsinnigen Einwendungen kommst.“

    „Ich häte hunderte von Einwendungen parat, aber du kennst sie ohnehin alle und ich kenne deine Antworten, also erzähle mir lieber, was du weiterhin vorhast.“

    Femina sieht einen Moment lang aus, als hätte sie die Frage nicht verstanden.

    „Hast du keine Pläne? Oder schwebt Dir was Bestimmtes vor?“ wiederholt Tina.

    Femina räuspert sich, sucht nach einer klaren Antwort. Aber die gibt es nicht, denn das Viele, das sie vorhat, ist nicht das Bestimmte, das sie auf jeden Fall macht. Sie muss plötzlich lachen und sieht ihre Freundin vielsagend an. Die versteht – zu gut kennt sie Femina.

    „Ich bedaure es sehr, dass ich nicht mitkommen kann,“ fährt Tina fort. „Wär‘ das schön, wir drei, irgendwo an einem menschenleeren Strand unter Kokospalmen, und nichts als Sonne und Meer.“ Sie schliesst schwärmerisch ihre Augen und fliegt gedankenschnell auf eine der zauberhaftesten Südseeinseln, die sie sich vorstellen kann. Dann schlägt sie die Augen wieder auf und seufzt: „Ich kann der Kleinen nicht das Wissen vorenthalten, das die Zivilisation anbietet.“ Ihre Stimme klingt unsicher, weil sie weiss, dass man Wissen nicht nur lernen, sondern auch erfahren kann. Trotzdem gibt ihr Femina recht. Die Kleine soll ihren Geist schulen. Tina wird schon aufpassen, dass das Wesentliche nicht verloren geht.

    Aber was ist das Wesentliche? Für jeden Einzelnen scheint es etwas Anderes zu sein. Jede Kultur hat ihre eigenen Traditionen, jede Religion einen anderen Glauben.

    Es ist nun wohl an der Zeit, etwas näher auf die beiden Frauen einzugehen, sozusagen ihren Hintergrund zu beleuchten. Es erklärt warum sie sich so gut versteen und warum sie in grundsätzlichen und prinzipiellen Fragen ihrer Existenz übereinstimmen, obwohl sie verschiedener Meinung sein können und sehr verschiedene Persönlichkeiten haben.

    Sie sind Sozieternas.

  • DNS Kapitel 1, Teil 1

    Der Herbst ist früh gekommen. Während des Tages versucht er sich hinter der Sonne zu verstecken, doch wenn diese fehlt, lässt er sich nicht mehr verleugnen. Auch der Tag ist zu Feminas Bedauern bereits auffallend kurz geworden. Wenn sie morgens zur Arbeit eilt, ist der Himmel greulich grau und es dauert lange, bis die Sonne, falls überhaupt, die dicken Schichten von Dunts und Nebel durchdringen kann. Die Gräser sind dann nass und die vielen Blumen in den Hausgärten leuchten schreiend bunt, als wollten sie sagen,- da sind wir noch, trotzdem die Nächte schon kalt sind. Eigentlich war dieses Jahr nie wirklich Sommer gewesen. Alle Früchte werden später geerntet als sonst und es fehlt ihnen die süsse Reife.

  • DNS Kapitel 1, Teil 1

    Der Herbst ist früh gekommen. Während des Tages versucht er sich hinter der Sonne zu verstecken, doch wenn diese fehlt, lässt er sich nicht mehr verleugnen. Auch der Tag ist zu Feminas Bedauern bereits auffallend kurz geworden. Wenn sie morgens zur Arbeit eilt, ist der Himmel greulich grau und es dauert lange, bis die Sonne, falls überhaupt, die dicken Schichten von Dunts und Nebel durchdringen kann. Die Gräser sind dann nass und die vielen Blumen in den Hausgärten leuchten schreiend bunt, als wollten sie sagen,- da sind wir noch, trotzdem die Nächte schon kalt sind. Eigentlich war dieses Jahr nie wirklich Sommer gewesen. Alle Früchte werden später geerntet als sonst und es fehlt ihnen die süsse Reife.

    Femina hat seit ein paar Tagen Besuch,- Tina, ihre langjährige Freundin und Vertraute. Sie sehen sich nicht oft, viel zu wenig, wie beide meinen, doch lassen es die Umstände nicht anders zu. Tina hat ihre kleine Tochter mitgebracht, die jetzt etwa 11 Jahre alt ist. Femina hat Tina’s Kind auch nur ein paar Mal gesehen, mit langen Abständen dazwischen. Unwahrscheinlich, wie gross sie schon ist! Und sie verspricht ein besonders schönes Exemplar Frau zu werden.

    Femina ist über diesen Besuch hochgradig entzückt. Sie hatte die Hoffnung auf ein Wiedersehen, vor ihrer eigenen Abreise bereits aufgegeben, und nun ist es doch noch zustande gekommen.

    “Du bist also wieder unterwegs,” sagt Tina und schwenkt den Tee in ihrer Tasse, nimmt schlürfend einen Schluck. Sie sitzen in Femina’s Wohnzimmer, haben es sich gemütlich gemacht. Die Kleine liegt zwischen ihnen auf der Couch und scheint nicht die geringste Absicht zu haben, sie alleine zu lassen, obwohl es für sie eigentlich langweilig sein sollte. Femina und Tina können nämlich ausdauernd reden, der Faden geht ihnen nicht aus. Mit Tina zu diskutieren ist eine Wohltat. Sie gehört zu den wenigen, die nicht nur argumentieren können, sondern auch Phantasien entwickeln um sich auf den Standpunkt des anderen einzulassen, und trotzdem nie ihre eigene Meinung aus den Augen verlieren. Tina hat keinen Wunsch ihre Meinung dem anderen aufzuzwingen, aber sie kann sehr gut die Schwächen aufdecken. Sie versucht zu überzeugen, aber letztlich dienen alle Diskusionen, auch wenn sie heiss debatiert werden, nur einem Gedankenaustausch und ihrer Unterhaltung. Das beruht natürlich auf Gegenseitigkeit und ist eine der Säulen auf denen ihre Freundschaft ruht. Manchmal spielen sie Varianten über ein Thema durch, ad absurdum,- wie gesagt,- ihnen ist auf keinen Fall langweilig. So kommen sie vom Hundertsten ins Tausendste, auch heute wieder, und die Kleine scheint das durchaus unterhaltend zu finden. Femina wundert sich. Dass sie nicht müde ist! Immerhin hatte Tina mit ihr eine ausgiebige Tagtour unternommen. Aber nein, sie ist nicht müde, mischt sich hin und wieder selbst ins Gespräch und strahlt rundum wohlige Zufriedenheit aus.

    Sie kommen schliesslich wieder auf Femina’s Abreise zurück.

    “Abschiednehmen ,” sagt diese, “fällte mir eigentlich nie leicht. Aber von hier schon. Allerdings, meine Oldies werde ich sehr vermissen, sonst verspüre ich keine Trauer. Ich muss einfach weg.”

    Tina nickt verständnisvoll. Sie würde selber gerne losziehen, sogar mit der Kleinen. Doch jetzt braucht die garnicht mehr so Kleine Schulen und Tina hat sich deshalb vorübergehend sesshaft gemacht. Sie ist Psychotherapeutin, hat einen Teil ihres Hauses für den Beruf abgezweigt, arbeited also zu Hause und ist ihr eigener Boss, so dass sie mit ihrem Leben derzeit durchaus zufrieden sein kann. Wenigsten was, meint Femina trocken. Und da ist auch noch die Kleine, die zu Tina’s Glück beiträgt und die sie liebt. Das Kind ist aus einer schiefgegangenen Ehe. Femina hat diesen Gespons nie kennengelernt, was laut Tina’s Aussage, kein Verlust ist. Femina war auch nie neugierig geworden,- sie kannte ihn von Bildern und Tina’s Erzählungen,- er hatte sie nicht genug beeindruckt und damit war es nie ein Bedürfnis ihm persönlich zu begegnen. Jetzt lebt Tina mit einer Freundin zusammen, die sie auch kennt. Diese Beziehung scheint ausgesprochen harmonisch zu verlaufen.

    “Vielleicht ist eine Welt ohne Männer wirklich besser”, meint Femina zögernd und mustert ihre Freundin, die dazu nur nickt. Tatsächlich ist diese ein gutes Beispiel, ein lebender Beweis für die Richtigkeit einer solchen Annahme. So ausgeglichen und glücklich hat sie Tina nicht in ihrer Erinnerung. Und die Kleine ist ebenfalls ein glückliches Kind. Man braucht nur einen Blick auf sie zu werfen.

    Tina schweigt abwartend. Solche Bemerkungen macht sonst höchstens sie. Doch Femina durchläuft ein Tief. Sie hatte einen stressigen Arbeitstag und trotzdem sie bereits gekündigt hat, trösted sie das nur unzureichend. Da ist zum Beispiel ihr Boss, ein menschlicher Versager, und Femina braucht hin und wieder einen eisernen Willen, um es ihm nicht in seinen Schädel zu prügeln. – Er äendert sich nicht, auch wenn sie fortgeht. Aber warum sollte er auch!

    “Ich kann zur Zeit meinen Chef nicht sehen,” fäehrt Femina fort. “Er ist ein rotes Tuch für mich, das letzte. Versteh mich richtig, – er hat alles, was die Gesellschaft hier hoch dotiert. Er ist gescheit, ehrgeizig, ein zäher Streber, und er ist rücksichtslos, kaltblütig, programmiert. Er ist ein Zyniker mit ätzendem Witz, und er ist jung und dynamisch. Na, und wenn man auf seriös steht, sieht er relativ passabel aus. Er ist die Karriereleiter schon ziemlich weit hoch gestiegen, aber noch ist sie nicht zu Ende. Ich vermute, er will die höchste Schaltstelle im vorherrschenden Machtsystem erlangen. Er glaubt natürlich, weiss wie toll er ist. War er doch in Solarsol, dem Mekka allen Fortschrittes, hat dort angeblicherweise berufliche Erfahrungen sammeln koennen. Das ist natürlich genug um die daheimgebliebenen Karrierlinge in sprachloser Ehrfurcht auf die Knie zu zwingen. Schwachköpfe! Alles Schwachköpfe! Klar – in seinem Fachgebiet steckt er viele in seine Tasche. Bei dem niedrigen Standard den die meisten nämlich haben, da ist bald einmal jemand besser. Ich kenne die Typen die er personifiziert. In Solarsol sind sie nichts anderes als gewöhnliche Lehrlinge, – was ja nicht negativ ist, wenn man seine Chancen wahrt, – aber hier werden sie zu Supermännern hochstilisiert, einfach aus dem Umstand der vorliegenden Unfähigkeit eines ganzen Systems. Und er sonnt sich darin! Wie ich sie hasse, sowohl die einen wie die anderen.”

    Femina ist die Wut hochgekommen. Sie atmet tief ein und stösst die verbrauchte Luft hörbar durch ihre Nasenlöcher wieder aus.

    ” Doch was soll ich machen! Don Quichote und die Windmühlen, – und zwischendurch bricht halt die Welt auseinander. Es sind ihrer zu viele, überall. Ignoranz weltweit! Vorurteile! Aberglauben! – Oder bloss die Trägheit der Masse? Und Neros gleich haufenweise in den Schlüsselstellen. – Und dieses hirnrissige Argument vom Willen Gottes und der “Menschlichen Natur”! Ich kann das und will das nicht hören! – Manchmal glaubst du intelligente Menschen vor dir zu haben, siehst tatsächlich zweimal hin und dann ist da wieder nur Einbildung, Eitelkeit und Dummheit, grenzenlose Dummheit, – eine gefährliche Kombination! Na ja, du siehst ja wie weit sie gekommen sind!”

    Femina schweigt und beruhigt sich wieder

    ” Und trotzdem glaub ich an die Zukunft,” meint Tina sachlich

    Femina zuckt mit den Schultern. ” Ist ja auch egal. Ich glaube zwar nicht dran, aber ich halte sie für möglich und verdammt, – das ist Grund genug, nicht aufzugeben.”

    Sie greift nach einer Zigarette und zündet sie bedächtig an. “Du hast Deinen Teil für die Fortpflanzung ja schon getan,” und sie blickt vielsagend auf die Kleine. Diese hat den Kopf auf den Arm gestützt und hört aufmerksam zu. Da sind sie, die Vorbilder, nur haben sie keine befehlende Allgemeingültigkeit oder Gewalt.

    “Was ist Fortpflanzung,” fragt die Kleine in die Stille hinein

    Femina und Tina tauschen einen vielsagenden Blick und lachen.

    “Fortpflanzung ist, wenn sich etwas bewegt,” erwidert Femina und wartet

    “Hm,” macht die Kleine und denkt angestrengt nach. Denn bewegen tut sich vieles, alles eigentlich.

    “Tja und du, – hast noch immer keine Lust auf Nachwuchs?” setzt Tina das Gespräch fort. Femina lächelt und hört tief in sich hinein. Über diese Frage hat sie oft nachgedacht, und sie nimmt sie sehr wichtig. Aber das Ergebnis bleibt immer dasselbe, auch heute wieder. “Nein……..wirklich nicht.”

    Tina grinst unverschämt. Sie weiss zwar genau, dass ein Argument wie,-‘ da versäumst du aber was’- nicht zieht, doch in diesem Punkt findet sie, dass Femina sich vor einer Verantwortung drückt und dass sie zu egoistisch sei; ihre Rasse sollte nicht aussterben! Andererseits geht es ihr in Wahrheit aber nicht darum, ihre Freundin in etwas hineinzuhetzen, das diese nicht will. Sie versucht bloss ein bisschen zu zündeln. Schliesslich ist dieses Thema immer aktuell. Doch Femina hat heute keine Lust, so unmittelbar darauf einzugehen. Sie ist erschöpft vom Tag, oder besser vom Inhalt des Tages, der wieder einmal so viel unnötigen Mist produziert hat, dass man meinen könnte, im Dreck ersticken zu müssen. An Tagen. wie solchen ist Zukunft nur ein Wort für sie.

    “Was ist dir heute über die Leber gelaufen,” fragt Tina, die das Schweigen ihrer Freundin richtig deutet. ” Der Boss? Ich bitte dich,- dass die Männer, wenigsten die meisten zum Vergessen sind, ist doch ein alter Hut! Also, was noch?”