{"id":3448,"date":"2013-09-25T00:00:00","date_gmt":"2013-09-25T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/axisdata.com.au\/de\/feminas_buch\/dns-kapitel-1-teil-3\/"},"modified":"2013-09-25T00:00:00","modified_gmt":"2013-09-25T00:00:00","slug":"dns-kapitel-1-teil-3","status":"publish","type":"feminas_buch","link":"https:\/\/axisdata.com.au\/en\/feminas_buch\/dns-kapitel-1-teil-3\/","title":{"rendered":"DNS Kapitel 1, Teil 3"},"content":{"rendered":"<p>Sie sind Angeh\u00f6rige einer Minderheit,  einer Volksgruppe, die sich gravierend von anderen V\u00f6lkern und ethnischen Gruppen unterscheidet, nicht nur weil sie zahlenm\u00e4ssig klein sind, sondern vor allem, weil sie staatenlos sind. Sie haben weder eine externe Staatszugeh\u00f6rigkeit, noch eine interne Staatsstruktur. Sie haben weder eine Regierung, noch einen offiziellen Representanten, dem  Kompetenzen zustehen. Jeder von ihnen representiert sein Volk und jeder k\u00fcmmert sich um die Obliegenheiten, die entstehen oder vorliegen. Sie haben keine eigene Gerichtsbarkeit und keine Staatsgewalt. Sie haben Religionsfreiheit, und keine Priesterschaft. Die wenigsten geh\u00f6ren einer Religionsgemeinschaft an. Es ist diesselbe prinzipielle Einstellung, wie sie es mit dem Staatsangelegenheiten halten. Jeder kuemmert sich um seine eigenen spirituellen Bed\u00fcrfnisse und Angelegenheiten.  Es gen\u00fcgt zu sagen, dass sie weder gottlos noch agnostik, noch Existentialisten oder Materialisten sind. Doch ihre philosophischen oder theosophischen Grundlagen sollten ein andermal diskutiert werden.     <\/p>\n<p>Traditionellerweise sind sie Nomaden und nennen ganz allgemein, nichts ihr Eigentum. Sie ben\u00fctzen die Dinge nur. Mann und Frau sind gleichberechtigt, beide sind emanzipiert. Ihre sozialen Bindungen sind stark, als Volksgruppe im allgemeinen, aber auch untereinander, wobei tiefe Beziehungen und partnerschaftliche  Arrangements zwischen den Geschlechtern und innerhalb eines Geschlechtes akzeptiert sind. So gibt es P\u00e4rchen, Kommunen, gemeinschaftliche Haushalte, oder getrennte. Auch r\u00e4umliche Distanzen lassen keinen Schluss auf die Intensit\u00e4t einer Beziehung zu. Wenn erforderlich, trennt man sich eben f\u00fcr eine Weile, da sie nicht der Ansicht sind, dass tiefe Gef\u00fchle f\u00fcreinander von heute auf morgen verschwinden k\u00f6nnen, falls \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p>Die V\u00f6lkergruppe lebt weit verstreut, aber jeder von ihnen hat den Wunsch nach Zusammengeh\u00f6rigkeit und Verbundenheit. Daher haben sie eine gemeinsame Sprache, auch wenn sie vielsprachig sind. Sie bedienen sich vorwiegend m\u00fcndlicher \u00dcberlieferung, da ihr flexibler Lebenskodex internalisiert ist, aber sie verf\u00fcgen \u00fcber gemeinsame Bildungsprogramme, betreiben Medienpolitik und f\u00f6rdern Wisssenschaft und Kunst, der ihre besondere Liebe gilt, sowohl konsumierend als auch praktizierend. Sie besitzen eine der gr\u00f6ssten Ged\u00e4chtniss-Computer-Anlagen, die es derzeit gibt und deren sich jeder von ihnen bedienen kann. F\u00fcttern tut sie schliesslich auch jeder.<\/p>\n<p>Es gibt eine Stadt, Solarsol, oder das sogenannte Camp. Dort treffen sie sich, wenn sie ihresgleichen finden wollen. Es wird ausschliesslich von ihnen bewohnt, nicht weil sie keine Fremden wollen, sondern weil Fremde nie, oder nur extrem selten hinkommen. Irgendwann besucht jeder von ihnen diese Stadt. Femina war ebenfalls schon dort gewesen. Sie erinnert sich zu gerne an diese Zeit, &#8211; sch\u00f6ne Erinnerungen, bleibende Erinnerungen, aber auf all das jetzt einzugehen, w\u00fcrde zu weit f\u00fchren, das soll eine andere Geschichte bleiben. Eines steht jedenfalls fest, &#8211; ein Sozieterna zu sein, ist ein Privileg, das niemand von ihnen freiwillig aufg\u00e4be. Das Camp ist zwar ihr Zentrum, ihr Treffpunkt, aber da sie vorwiegend Nomaden oder wie man es heute sieht, Kosmopoliten sind, begegnet man ihnen, beziehungsweise begegnen sie sich \u00fcberall, dort mehr, da weniger, in kleinen Gruppen oder vereinzelt, aber eben \u00fcberall. Das n\u00fctzen sie dann immer, um Feste zu feiern. Sie sind n\u00e4mlich ein sinnliches Volk, dem Leben herzlich zugeneigt. Es werden Erfahrungen ausgetauscht, Tips weitergegeben, aber vorallem geniessen sie die Geselligkeit und ihre Feste sind ber\u00fchmt, auch bei Artfremden. Sie sind daher gerne gesehen. Sie als G\u00e4ste zu haben, ist n\u00e4mlich immer interessant. Allerdings, gerade deshalb und vorallem bei Fremden, haben sie den Ruf, leichtsinnig oder gar amoralisch zu sein.<\/p>\n<p>Es kann allerdings geschehen, dass man sich lange Zeiten nicht trifft, dass das Untereinander oder Miteinander nicht m\u00f6glich ist. Daher mischen sich Sozieternas sehr wohl mit anderen V\u00f6lkern. Tina\u2019s Kind ist der Spr\u00f6ssling einer solchen Beziehung. Was hat sie ihre Freundin damals gewarnt: Lass die Finger von ihm! Ihr seid doch total verschieden! Das kann nur Probleme bringen! Nun ja, leider hat sie recht behalten, wie sie bef\u00fcrchtet hatte. Andererseits, es gibt ganz allgemein Probleme zwischen ihnen und anderen Volksgruppen, allein durch die Tatsache ihrer Verschiedenheit \u2013 keiner kommt drum herum, und alle Menschen sind verschieden. Sie hatte kein Recht, Tina dreinzureden. <\/p>\n<p>Das beleuchtet eine andere bezeichnende Charaktereigenschaft der Sozieternas. Sie sind uneingeschr\u00e4nkt tolerant. Sie sind friedliebend und kennen den Krieg nur, weil andere ihn f\u00fchren. Das heisst aber nicht, dass ihre prinzipielle Gewaltlosigkeit anderen gegen\u00fcber sie zu kampfunf\u00e4higen, kraftlosen und schon \u00e4usserlich sichtbar schwachbr\u00fcstigen Menschen gemacht hat. Man  k\u00f6nnte das wohl annehmen, weil der Wille zum Siegen doch auch viel mit k\u00f6rperlicher Ert\u00fcchtigung, Schulung und Kampftraining zu tun hat. Ganz das Gegenteil ist der Fall. Sozieternas sind ein aussergew\u00f6hnlich starker Menschenschlag, mit gesunden K\u00f6rpern und vitalem Geist. Medizinische Vorsorge ist obligat, das therapeutische Wissen eines der besten \u00fcberhaupt, ihre Gesundheitsmassnahmen sind vorbildlich und das nicht nur weil sie den Anweisungen der Spezialisten Geh\u00f6r schenken. Jeder einzelne weiss grossartig Bescheid und gibt auf k\u00f6rperliche sowie geistige Gesundheit acht. Das macht sie attraktiv. Unter ihnen befinden sich aussergew\u00f6hnliche Sch\u00f6nheiten und wirklich Vollendete. Sie sind jedoch keineswegs auf \u00e4usserliche Sch\u00f6nheit fixiert, aber haben einen ausgepr\u00e4gten Sch\u00f6nheitssinn. Wahrscheinlich liegt das auch daran, dass sie die Geschichte schon so lange \u00fcberlebt haben, &#8211; sie sind kultiviert, feinsinnig, gebildet. Dekandenz und Eigenz\u00fcchtung bleibt ihnen erspart, daf\u00fcr leben sie zu gesund und mischen sich oft genug mit anderen. Die Kinder bleiben normalerweise immer in Sozierterna\u2018s Obhut, solange jedenfalls, bis diese ihre eigenen Entscheidungen treffen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sozieternas haben mit der Zeit ihrer langen Existenz spezielle F\u00e4higkeiten entwickelt, die zum Teil, wie es mit Kultivierung so vor sich geht, ihr Erbgut geworden sind, die aber andererseits kontinuierlich gelehrt, gepflegt und praktiziert werden m\u00fcssen. Ohne ihre Anwendung im t\u00e4glichen Leben, w\u00fcrden diese F\u00e4higkeiten wohl als Anlagen bestehen bleiben, was sie urspr\u00fcnglich ohnehin waren, aber ihre Bedeutung verlieren, so wie der Muskel seine Kraft verliert, wenn er nicht gebraucht wird. Diese F\u00e4higkeiten werden von anderen Menschen einerseits bewundert, andererseits abgelehnt, je nachdem. Es kann schlimmstenfalls zu ihrer Verfolgung oder gar Vernichtung f\u00fchren. Sozieternas sind n\u00e4mlich empfindsame Seismographen. Sie verstehen K\u00f6rpersprache, k\u00f6nnen Menschen lesen. Das sind F\u00e4higkeiten, die nicht nur Staunen oder Missgunst hervorrufen, sondern auch Angst. Sie sind bedrohlich f\u00fcr solche, die etwas zu verbergen haben, und sei das auch nur der eigenene miese Charakter. Untereinander ist sich die Sozieterna einig, dass diese F\u00e4higkeiten ihrem Selbstschutz dienen und durchaus ausreichend sind. Das stimmt allerdings nur  bedingt, denn es ist tats\u00e4chlich nicht mehr als hilfreiche Warnung, die nicht unbedingt einen Angriff verhindern kann.<\/p>\n<p>Sozieternas haben ausserdem ein ausgepr\u00e4gtes  Selbstbewusstsein. Sie halten sich zwar nicht f\u00fcr elit\u00e4re Weltenb\u00fcrger, aber das tun andere f\u00fcr sie. Es kann jedoch zu Missgunst, Neid und Eifersucht f\u00fchren. Es kann schlichtweg lebensbedrohliche Formen annehmen, vorallem wenn diverse Glaubens- oder Staatsordnungen sich in Frage gestellt sehen. Sozieternas halten sich f\u00fcr normale, durchchnittliche Lebewesen des Kosmos, aber auf Grund ihrer Anlagen, Entwicklung und Erziehung sind sie dem Allgemeinen Ziel n\u00e4her, als es sonst jemand sein k\u00f6nnte, und nachdem sich alle sehnen, Sozieterna oder nicht. Das findet sich in ihrem eigenen Zeitbegriff und ihrer Zeitrechnung: Sie sind im Jahre 0. Und im Jahre 0 ist das Allgemeine Ziel die Erkenntnis. Im Jahr 2000 oder was auch immer, wissen sie es nicht genau. Dort hat sich der Schwachsinn noch immer nicht weiterentwickelt. Das Ergebnis ist bekannt: Die Menschen fliegen zum Mond, erleben die kosmische Weite, nur zu sich selbst finden sie nicht. Dabei sind Selbstbewusstsein ( im Sinne von sich seiner selbst bewusst sein ),  und Seinsbewusstsein ( im Sinne sich seines Seins bewusst sein ), ident. Das 3. Jahrtausend mag vielleicht besser werden. Es klingt jedenfalls vielversprechend:   Raum &#8211; Zeit \u2013 Alter.  Ob da was draus wird? Darauf l\u00e4sst es sich nicht einmal wetten. Die Zeit mag daf\u00fcr viel zu kurz sein.<\/p>\n<p>Aus all diesen Gr\u00fcnden haben Sozieternas nat\u00fcrlich kein Identifikationsproblem. Sie k\u00f6nnen sich selbst und ihre Artgenossen immer erkennen. F\u00fcr Artfremde brauchen sie dazu bloss einen Sinn, schon garnicht f\u00fcnf. Die Schwachsinnigen, von ihnen so genannt, weil sie schwache Sinne haben, wissen umgekehrt Sozieternas nicht geradewegs zu orten. Dem Himmel sei Dank! Es erleichtert ihnen einiges. Konfrontationen mit Andersdenkenden sind nun mal problematisch und wie gesagt, unter Umst\u00e4nden gef\u00e4hrlich. Wenn nicht unbedingt n\u00f6tig, halten sich Sozieternas aus Konflikten raus. Sie propagieren keine ihrer Ansichten oder \u00dcberlieferungen und sie k\u00fcmmern sich wenig um das Urteil anderer. Ausserdem wissen sie, dass Bewunderung nicht besser als Verfolgung und Intelligenz kein guter Ersatz f\u00fcr schwache Sinne ist. Auch dass sie Nomaden sind, hat seine Gr\u00fcnde und seinen Sinn. Sie k\u00f6nnen n\u00e4mlich fortgehen, w\u00e4hrend andere stagnieren. Sie haben keine Angst, etwas zu verlieren. Sie besitzen ja nicht viel. Dinge zu ben\u00fctzen und n\u00fctzen, das ist ihnen genug. Ihr Augenmerk richtet sich darauf, das Leben zu geniessen, nicht, es zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Dass sie gerne Feste feiern wurde bereits erw\u00e4hnt. Eine Eigenschaft sei diesbez\u00fcglich besonders hervorgehoben, weil es ihren Sinn f\u00fcr Farbenpracht und Dekoration demonstriert. Sie schm\u00fccken sich gerne, sie lieben es bunt, wobei besonders die Schmetterlinge es ihnen angetan haben. Parties in den Tropen werden zu einer Augenweide, denn die bunten Falter sind dort ja bekanntlich besonderns zahlreich und pr\u00e4chtig. So manch einmaliges Exemplar ziert da das Haar und dort eine Schulter. Den Ausgang eines solchen Festes bildet meist das sogenannnte Schmetterlingssteigen. Dabei lassen sie die Tierchen auf ein Kommando fliegen. Manchmal wird daraus eine Flatterorgie. Manchmal dauert das l\u00e4nger bis die Tiere ihre Freiheit wahrnehmen. Es scheint ihnen zu gefallen, ein Schmuckst\u00fcck zu sein.<\/p>\n<p>\u00dcber Sozieterna liesse sich noch vieles sagen, doch die wesentlichen Merkmale sind damit wohl beschrieben worden. Jedem Leser ist somit klar, um welche Art von Gesellschaft es sich da handelt, oder? Der Bogen mag vom Hippie bis zum Zigeuner bis zum Anarchisten reichen. Das sei dem Leser \u00fcberlassen, wie er interpretieren will. Wobei zu sagen ist, dass diese  Beschreibung, nur die Oberfl\u00e4che ber\u00fchrt hat. Einige sehr wesentliche und fundamentale Prinzipien sind unangetasted geblieben, aus dem einfachen Grund, sich nicht in philosophischen Konzepten zu verlieren, die besser sp\u00e4ter oder anderswo zur Sprache gebracht werden k\u00f6nnen.   <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie sind Angeh\u00f6rige einer Minderheit, einer Volksgruppe, die sich gravierend von anderen V\u00f6lkern und ethnischen Gruppen unterscheidet, nicht nur weil sie zahlenm\u00e4ssig klein sind, sondern vor allem, weil sie staatenlos sind. Sie haben weder eine externe Staatszugeh\u00f6rigkeit, noch eine interne Staatsstruktur. Sie haben weder eine Regierung, noch einen offiziellen Representanten, dem Kompetenzen zustehen. 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