{"id":3449,"date":"2013-10-08T00:00:00","date_gmt":"2013-10-08T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/axisdata.com.au\/de\/feminas_buch\/dns-kapitel-1-teil-4\/"},"modified":"2013-10-08T00:00:00","modified_gmt":"2013-10-08T00:00:00","slug":"dns-kapitel-1-teil-4","status":"publish","type":"feminas_buch","link":"https:\/\/axisdata.com.au\/de\/feminas_buch\/dns-kapitel-1-teil-4\/","title":{"rendered":"DNS Kapitel 1, Teil 4"},"content":{"rendered":"<p>\u2018Ob einem die Kinder leid tun sollten, die in solch ungew\u00f6hnlichen Bedingungen leben? Diese Frage stellen nat\u00fcrlich nur jene, die glauben, dass ihre Art Kinder gross zu ziehen die richtige Art ist. Sozieternas sind viel weniger kategorisch. Das einzige worauf sie bestehen ist, dass jeder Sozieterna f\u00fcr das Wohl aller Kinder verantwortlich ist, ob sie die eigenen sind oder nicht. Die beiden Frauen w\u00fcrden niemals etwas anderes in Betracht ziehen. <\/p>\n<p>Kinder sind allerdings f\u00fcr Tina und Femina immer ein Thema, weil die beiden so unterschiedliche Meinungen dar\u00fcber haben. Tina ist stets darauf aus zu testen, ob ihre Freundin nicht doch bereit ist ihren Standpunkt aufzugeben. Fr\u00fcher gab es heftigste Diskussionen. Femina behauptete sogar in einem dieser Wortgefechte , dass Tina die Kleine ohnehin nur habe, weil es ihrem Eigennutz diente. Freilich das war der Versuch unfairer Taktik, sozusagen der Schlag unter die G\u00fcrtellinie, aber Tina blieb ihr nichts schuldig. Femina\u2019s Kinderlosigkeit sei schliesslich auch nichts anderes. Der Streit endete mit Gel\u00e4chter und wurde, wie immer, auf ein andermal verschoben.<\/p>\n<p>Das Thema Kinder ist nicht nur aktuell weil Femina kinderlos ist, sondern erst recht, wenn sich die beiden Gedanken um die Zukunft machen. Darum liegt es auch heute wieder in der Luft, denn Femina hat die Nase voll von allem, w\u00e4hrend Tina entspannt ist und Optimismus ausstrahlt.<\/p>\n<p>Sie haben eine Weile geschwiegen, sind in ihren Gedanken. Hin und wieder mischen sich allt\u00e4gliche Ger\u00e4usche in die Stille, ein Klirren der Teeschalen, ein langer Atem, das Klicken eines Feuerzeuges.<\/p>\n<p>Femina steht auf um eine Platte aufzulegen. Sie hat eine Ansammlung von diesen,  aus alten Zeiten, die zum Teil ziemlichen Seltenheitswert haben. \u201aKarma\u2018, das ist es wonach ihr jetzt zumute ist. Die Musik wirkt sofort, &#8211; ein Zaubermittel! All ihre Unlustgef\u00fchle kann sie der Musik in den Rachen werfen. Musik schluckt diese einfach hinweg,- als Kl\u00e4nge erscheinen sie dann wieder und schl\u00fcpfen so zur\u00fcck ins Gehirn. Aber die Kl\u00e4nge lassen die Membranen anders schwingen wie es zum Beispiel Aggression tut. Musik ein Zaubermittel? Gewiss, ist sie doch ein Transformer, und das ist garnicht so neu.<\/p>\n<p>Femina blinzelt zu ihrer Freundin r\u00fcber. Die ist grade auf m\u00fctterlich drauf, denn sie sieht nach der Uhr, dann zur Kleinen, die ohnehin selig schlummert, und bleibt schliesslich an Femina h\u00e4ngen. Femina verzieht sp\u00f6ttisch ihren Mund. Das Thema Kinder steht zur Debatte, aber Tina gibt sich der Erinnerung hin: \u201eWeisst du noch wie wir uns eigenn\u00fctzig beschimpft haben? L\u00e4cherlich nicht wahr, denn wir beide  s i n d  eigenn\u00fctzig. Worum geht es denn wirklich? Ums Rechthaben? Wer moralisch besser da steht? Um Bekehrung?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch, Tina Herzchen\u201c, stimmt Femina ihr hocherfreut zu, \u201cich bin zwar der Meinung, dass unsere Kinder es nicht leicht haben, aber ich kann andererseits sehr wohl sehen, wie gut es ihnen geht. Sei\u2019s drum! Und dir steht die M\u00fctterlichkeit \u00e4usserst gut.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDir auch\u201c, erwidert ihre Freundin und grinst unversch\u00e4mt.<\/p>\n<p>\u201eIch bin nicht m\u00fctterlich!\u201c protestiert Femina. Aber Tina verdreht nur ihre Augen und seufzt: \u201eAch was,\u201c sagt sie dann, \u201edu bist doch die reinste Glucke, die man sich vorstellen kann.\u201c<\/p>\n<p>Femina  antworted mit Achselzucken. Sie h\u00f6rt auf die Musik. Leon Thomas verschafft sich Geh\u00f6r:<\/p>\n<p> \u201eThe creator has a master plan, peace and happiness for every man\u2026\u2026\u2026\u2026..\u201d<\/p>\n<p>Femina h\u00f6rt aufmerksam zu. Ihre Augen wandern nach irgendwo. Dort sind die Tr\u00e4ume leer, denn dort lebt der Traum und braucht sich nicht zu tr\u00e4umen.<\/p>\n<p>\u201eGa, ga, ga, gaaaa&#8230;\u201c, sie kommt zur\u00fcck von der Ferne, versucht ein Huhn nachzuahmen, schl\u00e4gt dabei mit angewinkelten Armen, als h\u00e4tte sie Fl\u00fcgel. Tina schmunzelt und Femina h\u00f6rt auf mit dem Gegacker, schaut Tina stirnrunzelnd an bis sie beide schallend lachen. So gegens\u00e4tzlich, so eintr\u00e4chtig sind sie. Sozieterna macht es m\u00f6glich, kein anderes System kann Opposition so friedlich vereinen. Da sitzen sich zwei Frauen gegen\u00fcber, davon meint eine, Kinderkriegen und \u2013haben sei eine Bereicherung ihrer Existenz. Die andere findet es ein Hindernis. Da sagt die eine, wie sch\u00f6n es sei, neues Leben zu schaffen. Die andere findet, dass nicht einmal das Bestehende gut genug ist. Tina redet von \u201aKreativit\u00e4t\u2018, Femina von \u201aVerpflichtung\u2018. Der Same sei bereits ein Geschenk! Dabei f\u00e4ngt sp\u00e4testens dort die Forderung an! Schwangerschaft gibt? Schwangerschaft nimmt! Und so geht das weiter bis zur letzten Konsequenz, die mit aufk\u00fcndigen der Freundschaft oder gar mit Kampf enden k\u00f6nnte. Hier wird schliesslich SEIN oder NICHTSEIN zur Konfrontation gebracht. Aber Tina und Femina bekriegen sich nicht, sondern lachen miteinander. Sie brauchen sich nicht nach einer \u00fcbergeordneten Moral zu richten. In Sozieterna richtet man sich nach dem Grundsatz: Wenn schon Leben, dann im Sinne von Bewusstsein. Und darin hat die ganze Vielfalt Platz. Gegens\u00e4tzliches schliesst sich nicht aus, sondern ein. Das Yin und Yang in Schwarz-Weiss ist nicht umsonst ein Emblem im Wappen ihrer Gesellschaft.<\/p>\n<p>\u201eWeisst du\u201c, sagt Femina, \u201emanchmal \u00fcberw\u00e4ltigt mich das Grauen, wie die geistige Entwicklung der Menschheit dem einzelnen Menschen davonl\u00e4uft. Sieht aus, als k\u00f6nnte er seine eigene Potenz nicht erfassen, kann aber die Geister nicht mehr los werden, die er gerufen hat. Ich habe es so satt, in den Wirbel jener hineingezogen zu werden, die wirklich  n i c h t  wissen,  w  a  s  sie tun. Von mir aus braucht die Geschichte nicht weiterzugehen, &#8211; zumindest nicht auf die herk\u00f6mmliche Art. Mir tun am meisten die Kinder leid.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMeine liebe Femina, ich weiss,\u201c antwortet Tina gef\u00fchlvoll, \u201eich verstehe dich nur zu gut! Ich sorge mich schliesslich auch. Aber du wirst sehen, &#8211; es wird, &#8211; es muss anders werden! Die grosse Abl\u00f6se liegt in der Luft. Du kannst tats\u00e4chlich den Umschwung, ja den Umbruch sp\u00fcren! Das totale Chaos wird sich neu formieren. Kein Grund zum pessimistisch sein! Nat\u00fcrlich verstehe ich, dass du deprimiert sein musst, bei dem Druck, dem Du im Moment ausgesetzt bist. Aber lass dich nicht irritieren. Die Masse ist nun einmal tr\u00e4ge. Es bedarf der Kr\u00e4fte sie zu r\u00fchren und die Kr\u00e4fte bed\u00fcrfen des Momentum. Wir alle unterliegen diesem Gesetz. Es ist das Einmaleins unseres Daseins. Erlaube mir, dich daran zu erinnern.\u201c<\/p>\n<p>Femina zuckt mit den Schultern. \u201eEs \u00f6det mich einfach an zu warten! Und die ignoranten Leute rund um mich gehen mir total auf die Nerven.  Da tr\u00e4umen sie von Freiheit, aber den Freidenker hassen sie. Tats\u00e4chlich haben sie Angst vor der Freiheit, schon gar, sie zu leben. Ich meine, verstehen kann ich es ja, aber m\u00f6gen tu ich\u2019s nicht. Dabei w\u00e4re ich sogar bereit, den Ignoranten ihre Angst und ihr Unwissen, ja ihre Unf\u00e4higkeit zu verzeihen. Doch sie sind so selbstbesessen, und  mich mit ihren Konflikten beladen zu wollen, das geht zu weit. Ihren Mist sollen sie sich behalten. Ich bin schliesslich nicht die M\u00fcllabfuhr, die\u2019s schliesslich auch nur gibt, weil keiner seinen eigenen Dreck wegputzt. Es reicht, dass ich diesen Mist zur Kenntnis nehmen muss, aber drum bleibt mir aber auch garnichts anderes \u00fcbrig wie mich baldigst davon zu machen.\u201c<\/p>\n<p>Tina gluckst vergn\u00fcglich und meint, dass sie \u201aArbeitspl\u00e4tze\u2018 wegrationalisiere. Ausserdem war von den Kindern die Rede und das st\u00fcnde auf einem anderen Blatt Papier. Femina sch\u00fcttelt den Kopf. Diese Dinge stehen in Beziehung zueinander. W\u00e4hrend Femina sich f\u00fcr den Genocid entscheidet ist Tina f\u00fcr die Genese. Die Zukunft kann weitergehen auch ohne ihr Zutun. Tina gleicht die Bilanz aus.<\/p>\n<p>\u201eThe creator has a master plan&#8230;&#8230;&#8230;., love and peace for every man\u2026\u2026.\u201d<\/p>\n<p>\u201c Es ist h\u00f6chste Zeit, der Urangst den Schrecken zu nehmen. Sie bedarf schon l\u00e4ngst einer Analyse\u201c, sagt sie pl\u00f6tzlich und ganz unvermittelt. Neuerliches Schweigen.\u2018 Von Angst besetzt sein, heisst schliesslich unfrei sein, jedenfalls dort, wo die Angst sitzt\u2018. Sie folgt ihren Gedanken, die offensichtlich ihren eigenen Weg gehen. <\/p>\n<p>\u201eIch kann nicht verhindern, dass die Unfreiheit anderer, meine Freiheit gef\u00e4hrdet.\u201c Sie zitiert: \u201eEs kann der Fr\u00f6mmste nicht in Frieden leben, wenn es dem Nachbarn nicht gef\u00e4llt.\u201c Ungew\u00f6hnliches ist verd\u00e4chtig,  nur das Normale bestimmt den Lebenszweck! Ich kann es einfach nicht lassen! Ich muss mich f\u00fcr die Freiheit einsetzen! Allerdings, ausser unseren Leuten versteht kaum jemand, was damit gemeint ist. Leider bin ich aber auch nicht f\u00fcr den Heldentod. Folglich, Flucht ist die einzige Alternative, die mir vern\u00fcnftig erscheint!\u201c<\/p>\n<p>Tina nickt und meint absch\u00e4tzig: \u201eM\u00e4nnerwelt! Das Patriarchat rast auf den Abgrund zu, und alles rast mit! Du bist dir hoffentlich klar dar\u00fcber, was dein Abzug bedeutet? Schliesslich liegt es jetzt an uns Frauen zu handeln. Wir Frauen m\u00fcssen f\u00fcr die Freiheit k\u00e4mpfen! Wir Frauen m\u00fcssen das Steuer herumreissen! Wir m\u00fcssen die Geschicke in die Hand nehmen! Du weisst wie wenig  Chancen wir sonst haben&#8230;&#8230;\u201c<\/p>\n<p>Femina zuckt mit den Schultern: \u201eAls Frauen? So gut wie gar keine! Schau dir doch das Schicksal der Frauen in dieser Welt an! Frauen sind zum Scheitern verurteilt, &#8211; bevor sie denken d\u00fcrfen, bringt man sie auch schon um. Na und wir, die Sozieterna, machen das Kraut auch nicht fett. Schade? Nicht unbedingt! Unf\u00e4higes stirbt. Warum sollte man \u00fcber die Menschheit weinen? Freilich, dass alle mitgefangen ist durchaus ein Grund.  Leider kann ich die Dekandenz nicht teilen, mit fliegenden Fahnen unterzugehen. Ja, ja, die Masse ist tr\u00e4ge, aber es dient nun mehr der Entschuldigung als recht ist. Faulheit ist eher zutreffend, und die wird zur F\u00e4ulnis. Zudem habe ich herausgefunden, dass die Zeit \u00fcber mich verf\u00fcgt. Ich muss daher reagieren. Zur Zeit jedenfalls bin ich meiner Nomadennatur total dankbar. In ihr liegt meine Stabilit\u00e4t und im Genocid meine Antwort. Was uns zwei betrifft, ich bin der Schwarzseher, du die Weissmalerin.\u201c <\/p>\n<p>Tina lacht vergn\u00fcgt und streckt ihr Kreuz durch. \u201eGanz meine Meinung\u201c, sagt sie. Femina wartet ein wenig. Nachdem sie beim Thema  der Geschlechter  gelandet sind, \u00fcberrascht es sie, dass ihre Freunde keinen weiteren Einwand hat und sich nicht einmal nach Femina\u2019s Liebesleben erkundigt, zumal es zur Aufheiterung beitragen k\u00f6nnte. Eine sch\u00f6ne Liebesaffaire bedeutet schliesslich Lust statt Frust. Wahrscheinlich glaubt sie, ihre Freundin hat nichts dergleichen zu berichten, denn sie ziehen heute schliesslich einhellig \u00fcber die M\u00e4nner her. Das ist sonst selten der Fall. Tina mag zwar M\u00e4nner nur sehr bedingt, einschliesslich Sozieternas. Denen gibt sie zumindest den Bonus, dass sie, ihrer Meinung nach, nicht schaden und f\u00fcr die Aufzucht der Kinder notwendig sind. Anders ist es mit Femina. Sie mag M\u00e4nner. Sie bevorzugt Sozieternas, aber sie ist keineswegs den anderen abgeneigt, speziell wenn sie ihr Interesse wecken, welcher Art auch immer. Die beiden finden Zweigeschlechtlichkeit absolut interessant, nicht nur, weil sich diese nun mal nicht verleugnen l\u00e4sst, sondern weil es eine Grundsatzdiskussion ist. F\u00fcr Femina ist es obendrein noch Vergn\u00fcgen.  Offensichtlich steht der vergn\u00fcgliche Aspekt dieses Gegenstandes heute nicht im Programm. Femina ist viel zu sehr mit ihren Frustrationen besch\u00e4ftigt und beim Thema Freiheit stecken geblieben. Sie beendet daher ihren kurzen gedanklichen Seitensprung mit einem bekannten Zitat: \u201eDer Krieg ist der Vater aller Dinge.\u201c <\/p>\n<p>Doch die  Quelle fliesst auch. \u201eSie ist die Mutter aller Dinge!\u201c <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2018Ob einem die Kinder leid tun sollten, die in solch ungew\u00f6hnlichen Bedingungen leben? Diese Frage stellen nat\u00fcrlich nur jene, die glauben, dass ihre Art Kinder gross zu ziehen die richtige Art ist. Sozieternas sind viel weniger kategorisch. 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