{"id":2290,"date":"2013-09-10T16:46:00","date_gmt":"2013-09-10T16:46:00","guid":{"rendered":"https:\/\/axisdata.com.au\/de\/feminas_buch\/dns-kapitel-1-teil-2\/"},"modified":"2013-09-10T16:46:00","modified_gmt":"2013-09-10T16:46:00","slug":"dns-kapitel-1-teil-2","status":"publish","type":"feminas_buch","link":"https:\/\/axisdata.com.au\/de\/feminas_buch\/dns-kapitel-1-teil-2\/","title":{"rendered":"DNS, Kapitel 1, Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>\u201cAch\u201d, meint Femina und macht eine Wegwerfbewegung, \u201cder Boss steht doch nur f\u00fcr vieles, das mir sauer aufst\u00f6sst. Ich weiss garnicht, ob er der Schlimmste von allem ist.\u201c Und sie denkt an ihre Kollegen. \u201c Der Boss ist ein Reaktion\u00e4r, intelligent, das macht ihn gef\u00e4hrlich, aber die Untergebenen sind kritiklos und dumm, sie sind deshalb nicht minder eine Gefahr. Die Katze beisst sich in den Schwanz, das System ist so perfect &#8211; \u201dDaumenschrauben\u201c-. Eigentlich d\u00fcrfte ich garnicht b\u00f6se sein, auf niemanden. Ich bin\u2019s, die da nicht hineinpasst\u201c. Sie unterbricht sich kurz.<\/p>\n<p>\u201cIch glaube, ich bin menschenscheu geworden, und Menschenver\u00e4chterin.&#8212;- Wenn manche bloss den Mund aufmachen und ihre Kommentare von sich geben, die ihre Borniertheit, ihre ganze Missbildung zeigen&#8230;&#8230;.\u201c, sie sch\u00fcttelt den Kopf, \u201ddann hilft mir um mich zu distanzieren, nur meine Arroganz und mein Selbsterhaltungstrieb.\u201c<\/p>\n<p>\u201dDu nimmst das alles viel zu schwer\u201c, erwidert Tina. \u201d Du kr\u00e4nkst dich , v\u00f6llig unn\u00f6tig. Das weisst du doch genau, oder?\u201c<\/p>\n<p>Femina verzieht sp\u00f6ttisch ihren Mund und nickt. Ihre Freundin hat nat\u00fcrlich recht. Was erwartet sie sich von einer Gesellschaft, die v\u00f6llig unf\u00e4hig ist, &#8211; n\u00e4mlich liebesunf\u00e4hig? Kr\u00e4nkung ist ein anerkanntes Gesellschaftsspiel. Was will sie von einer Gesellschaft, die Menschen w\u00fcrde nicht kennt, sondern nur Menschenmaterial? Ihr Bauch krampft sich zusammen. So deformiert man Seelen. Aber sie wehrt sich immer noch.<\/p>\n<p>\u201dAch Tina\u201c, sagt sie, \u201ewie gut, dass du da bist! Doch wie steht\u2019s mit dir? Hast du keine Probleme, die dir die Stimmung verderben?<\/p>\n<p>Tina verdreht die Augen: \u201eKlar doch! Mehr als genug! Aber du weisst ja, ich bin mein eigener Boss, dadurch bleibt mir einiges erspart. Die Probleme die ich habe, drehen sich mehr um die Kleine. Das finde ich zum Heulen. Da ist mir doch tats\u00e4chlich das Nachwuchsdepartment auf den Pelz ger\u00fcckt!! \u201aDas Kind werde in unmoralischen Verh\u00e4ltnissen grossgezogen!!!!\u2018<\/p>\n<p>Dazu ist zu sagen, dass Tina derzeit nicht im selben Staat wie Femina lebt. Man ist dort zwar wesentlich weiter fortgeschritten, technologisch, und auch was den Lebensstandart betrifft, das Volk aber ist ber\u00fchmt fu\/r seine strikte Arbeitsauffassung und erst recht f\u00fcr seine hausbackene Moral. Gelinde gesagt, sie sind ausgesprochen pr\u00fcde, weil sie glauben, dass Fleiss nur auf dem Boden von Ordnung gedeihen kann, &#8211; ihrer Ordnung nat\u00fcrlich und ihren Vorstellungen gem\u00e4ss.<\/p>\n<p>\u201eNicht zu glauben\u201c, erwidert Femina prompt<\/p>\n<p>\u201eDoch, doch! Du kannst es ruhig glauben. Die Eltern meines Ex k\u00e4mpfen um das Erziehungsrecht, &#8211; und er will mir damit eines auswischen. Er kann\u2019s mir nicht verzeihen, dass ich ihn verlassen habe, schon garnicht, wie er glaubt, wegen einer Frau.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch habe nie verstanden, was du an diesem Macho gefunden hast. Mit einem der nicht unserer Art ist, kann eine Beziehung nicht gut gehen. Und dann auch noch ein Kind von ihm!\u201c<\/p>\n<p>\u201eKomisch nicht wahr, heute versteh ich\u2019s auch nicht mehr. Aber damals habe ich wirklich geglaubt, es sei m\u00f6glich.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa und wie stehen die Dinge?\u201c will Femina wissen<\/p>\n<p>\u201eAch ganz gut. Ich hab mir nat\u00fcrlich eine Anw\u00e4ltin genommen und die kennt sich in dieser Materie gut aus. Schlimmstenfalls muss ich halt das Land verlassen. Die Kleine kriegen sie auf keinen Fall. Niemals! Da werd\u2018 ich zur L\u00f6win.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWieso wollen die mich haben\u201c, mischt sich die Kleine ins Gespr\u00e4ch. \u201eIch will garnicht von dir weggehen!\u201c<\/p>\n<p>Tina l\u00e4chelt: \u201eDas weiss ich mein Schatz\u201c.<\/p>\n<p>\u201eSie wollen dich haben, weil du ein Schatz bist\u201c, meint Femina, \u201eaber sie w\u00fcrden dich nicht beh\u00fcten, wie deine Mutter das tut. Sie w\u00fcrden dich besitzen, dir ihre Stempel aufdr\u00fccken, ohne dich zu fragen, ob du das willst.\u201c<\/p>\n<p>Die Kleine sieht sie entsetzt an.<\/p>\n<p>\u201eMach ihr doch keine Angst,\u201c sagt Tina<\/p>\n<p>\u201eTu ich das?\u201c erwidert Femina. \u201eAber so ist es doch! Die Wahrheit ist manchmal zum F\u00fcrchten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer Ernst des Lebens kommt noch fr\u00fch genug. Sie soll nicht zu fr\u00fch ihre Unbeschwertheit verlieren. Das m\u00f6chte ich nicht! Sie soll ein fr\u00f6hliches Kind sein!\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber Tina,\u201c antwortet Femina, \u201ewarum sollte ein fr\u00f6hliches Kind nicht auch ein denkendes Kind sein!\u201c<\/p>\n<p>\u201eNa dann, ich will sie halt nicht aufhetzen, oder dass sie Vorurteile kriegt!\u201c<\/p>\n<p>Femina sieht ihre Freundin aus schmalen Augen an und l\u00e4chelt sp\u00f6ttisch: \u201eEntschuldige wenn ich lache. Das kann doch nicht dein Ernst sein! Ist es Dir lieber, wenn sie unvorbereitet die Wahrheit erf\u00e4hrt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Warnung vor dem B\u00f6sem also,\u201c meint Tina z\u00f6gernd<\/p>\n<p>\u201eWie immer du das nennen willst,\u201c sagt Femina, \u201e aber ich nicht ihre Mutter. Du tr\u00e4gst die Verantwortung f\u00fcr ihre Erziehung. Mir musst Du allerdings die Freiheit lassen, meine Meinung kund zu tun. Diskutieren ist doch wohl noch erlaubt, oder?\u201c<\/p>\n<p>Tina l\u00e4chelt wieder, zieht eine bezeichnende Grimasse, was soviel heisst wie \u201aKindererziehung\u2018, wer will schon sagen, ob das richtig ist, was man so tut!<\/p>\n<p>\u201eDr\u00fccken die mir wirklich Stempel auf? Wohin denn? Auf meine Haut?\u201c Die Gedanken der Kleinen sind anscheinend beim Schmerz h\u00e4ngen geblieben.<\/p>\n<p>\u201eSiehst Du, jetzt hast du ihr Angst gemacht\u201c, meint Tina vorwurfsvoll.<\/p>\n<p>\u201eIch habe keine Angst!\u201c, erwidert die Kleine mit fester Stimme. \u201eIch w\u00fcrde sie kratzen und beissen, und ihr w\u00fcrdet mir doch helfen, nicht wahr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd ob\u201c, erwidern die beiden Frauen gleichzeitig und lachen befreit.<\/p>\n<p>Tina erkl\u00e4rt der Kleinen die Dinge genauer. Kinder sind wissbegierig, und das Warum ist eine wichtige Frage. So vergeht die Zeit im Flug. Femina sp\u00e4ht zu ihrer Uhr, die nur klein ist und ganz verlassen, auf einem Regal in einer leeren Ecke steht. N o c h Zeit! Aber langsam muss sie daran denken, schlafen zu gehen, will sie morgens halbwegs fit sein. Und damit kehrt der Grieskram zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u201eSie versuchen eine Maschine aus dir zu machen. Eigenleben hast du am besten keines, und einen anderen Schlaf-Wach Rythmus zu haben als den genormten, ist beinahe ein Verbrechen. Zumindest wird darauf niemand R\u00fccksicht nehmen. \u00dcberhaupt, wer Spass am Leben findet, der ist von vornherein suspekt, haben dieses Privileg doch nur jene, die sich\u2019s durch Arbeit verdient haben, &#8211; wobei die ohnehin zu m\u00fcde sind, oder keine Zeit haben. Oder jene, die Geld besitzen, ererbt oder gewonnen, &#8211; das sind die wirklich \u201cGl\u00fccklichen. Alle anderen kriegen beim Gedanken an Gl\u00fcck schon ein schlechtes Gewissen. Normalerweise ist man erst gl\u00fccklich, wenn man gestorben ist. Das Paradies wartet, nur ist das erst recht nicht umsonst. Verr\u00fcckte Tina, alles Verr\u00fcckte!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer Durchschnitt bestimmt, was normal ist und was nicht,\u201c meint diese trocken.<\/p>\n<p>Das ist so typisch ihre Freundin. Was kann man dagegen sagen! So schnell l\u00e4sst sich Femina aber nicht bremsen.<\/p>\n<p>\u201eUnd was ist mit der Liebe? Liebe! Ich h\u00f6re immer von Liebe. Aber das ist es: H\u00f6ren tut man von ihr viel, bloss&#8230;&#8230;&#8230;. Manchmal bin ich mir garnicht sicher, ob sie \u00fcberhaupt noch existiert. Sie scheint eher ein abstraktes Wort zu sein, das irgendjemand in einen Traum gefl\u00fcstert hat\u201c<\/p>\n<p>\u201eArme Femina\u201c, sagt da Tina mit Ernst. \u201eDu bist wirklich ganz unten. Aber denk an das Wellenspiel, oder besser, den Surf den du so liebst&#8230;&#8230;.Du hast dich hineinfallen lassen, und nun wirst du durchger\u00fcttelt. Das schmeckt bitter aber ist doch nur eine der m\u00f6glichen Sensationen. Das hast du doch hoffentlich nicht vergessen!\u201c<\/p>\n<p>Femina sch\u00fctelt verneinend ihren Kopf: \u201eIch hab bloss zuviel davon bekommen und das bekommt mir nicht!\u201c<\/p>\n<p>Da lacht Tina wieder und meint nur, es sei wirklich dringend, ja zwingend, dass Femina abreist. Sie verstehe sie zu gut, sind sie doch grunds\u00e4tzlich und auf jeden Fall einer Meinung. Ihre eigene Praxis sei voll von deformierten Leuten. Und die Krankenh\u00e4user ebenfalls, wie Femina zu berichten weiss. Sie ist n\u00e4mlich ein Gesundheitsapostel. Die beiden granteln noch eine Weile fort, und erz\u00e4hlen sich Diverses aus ihrem Berufsleben. Ein reger Meinungsaustausch entsteht, denn, &#8211; K\u00f6rper und Seele bilden an sich eine Einheit, auch wenn sich das in ihrem beruflichen Umfeld noch nicht ernstzunehmend etabliert hat. Seelen haben nur in der Kirche Platz, und K\u00f6rper kann man reparieren. Psychohygiene? Wer betreibt die schon! F\u00e4llt doch den meisten bereits das Z\u00e4hneputzen schwer. Femina findet, dass die fehlende Verantwortung gegen\u00fcber sich selbst, schlechthin zu Verantwortungslosigkeit gegen\u00fcber alles und jedem f\u00fchrt. Fraglos, es ist so bequem, Verantwortung zu delegieren. Na ja, damit entstehen neue Jobs, und der Psychotherapeut darf auf Seelensuche gehen, und der Mediziner klempnern, &#8211; beide mit der Auflage, nicht am System zu kratzen. Denn, &#8211; Schuster bleib bei deinem Leisten! Politik ist schliesslich Sache der Politiker, und die wissen ganz genau, was f\u00fcr das Wohl ihres Volkes wichtig. Tina grinst. \u201eZumindest wissen sie genau, was ihnen selber dienlich ist\u201c.<\/p>\n<p>Femina z\u00fcndet sich eine neue Zigarette an und nimmt sich eine neue Tasse Tee. Ihr Groll hat sich verfl\u00fcchtigt. Es hinterl\u00e4sst eine wohltuende Leere. Die Kleine ist nun doch eingeschlafen und f\u00fcr die Nacht steht\u2019s bald Halbzeit. Es erinnert sie wieder daran, dass sie morgens fr\u00fch aufstehen muss. Aber, sei\u2019s drum&#8230;&#8230;. uninteressante Arbeit wird nicht interessanter, nur weil man ausgeschlafen ist. Sie f\u00e4llt einem h\u00f6chstens leichter.<\/p>\n<p>\u201eAch ich geniesse es, dass ich mich so ungeniert ausschimpfen kann, und dass Du mir nicht mit bl\u00f6dsinnigen Einwendungen kommst.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch h\u00e4te hunderte von Einwendungen parat, aber du kennst sie ohnehin alle und ich kenne deine Antworten, also erz\u00e4hle mir lieber, was du weiterhin vorhast.\u201c<\/p>\n<p>Femina sieht einen Moment lang aus, als h\u00e4tte sie die Frage nicht verstanden.<\/p>\n<p>\u201eHast du keine Pl\u00e4ne? Oder schwebt Dir was Bestimmtes vor?\u201c wiederholt Tina.<\/p>\n<p>Femina r\u00e4uspert sich, sucht nach einer klaren Antwort. Aber die gibt es nicht, denn das Viele, das sie vorhat, ist nicht das Bestimmte, das sie auf jeden Fall macht. Sie muss pl\u00f6tzlich lachen und sieht ihre Freundin vielsagend an. Die versteht \u2013 zu gut kennt sie Femina.<\/p>\n<p>\u201eIch bedaure es sehr, dass ich nicht mitkommen kann,\u201c f\u00e4hrt Tina fort. \u201eW\u00e4r\u2018 das sch\u00f6n, wir drei, irgendwo an einem menschenleeren Strand unter Kokospalmen, und nichts als Sonne und Meer.\u201c Sie schliesst schw\u00e4rmerisch ihre Augen und fliegt gedankenschnell auf eine der zauberhaftesten S\u00fcdseeinseln, die sie sich vorstellen kann. Dann schl\u00e4gt sie die Augen wieder auf und seufzt: \u201eIch kann der Kleinen nicht das Wissen vorenthalten, das die Zivilisation anbietet.\u201c Ihre Stimme klingt unsicher, weil sie weiss, dass man Wissen nicht nur lernen, sondern auch erfahren kann. Trotzdem gibt ihr Femina recht. Die Kleine soll ihren Geist schulen. Tina wird schon aufpassen, dass das Wesentliche nicht verloren geht.<\/p>\n<p>Aber was ist das Wesentliche? F\u00fcr jeden Einzelnen scheint es etwas Anderes zu sein. Jede Kultur hat ihre eigenen Traditionen, jede Religion einen anderen Glauben.<\/p>\n<p>Es ist nun wohl an der Zeit, etwas n\u00e4her auf die beiden Frauen einzugehen, sozusagen ihren Hintergrund zu beleuchten. Es erkl\u00e4rt warum sie sich so gut versteen und warum sie in grunds\u00e4tzlichen und prinzipiellen Fragen ihrer Existenz \u00fcbereinstimmen, obwohl sie verschiedener Meinung sein k\u00f6nnen und sehr verschiedene Pers\u00f6nlichkeiten haben.<\/p>\n<p>Sie sind Sozieternas.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201cAch\u201d, meint Femina und macht eine Wegwerfbewegung, \u201cder Boss steht doch nur f\u00fcr vieles, das mir sauer aufst\u00f6sst. 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