{"id":2283,"date":"2013-08-13T08:45:00","date_gmt":"2013-08-13T08:45:00","guid":{"rendered":"https:\/\/axisdata.com.au\/de\/feminas_buch\/dns-kapitel-1-teil-1\/"},"modified":"2013-08-13T08:45:00","modified_gmt":"2013-08-13T08:45:00","slug":"dns-kapitel-1-teil-1","status":"publish","type":"feminas_buch","link":"https:\/\/axisdata.com.au\/de\/feminas_buch\/dns-kapitel-1-teil-1\/","title":{"rendered":"DNS Kapitel 1, Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Der Herbst ist fr\u00fch gekommen. W\u00e4hrend des Tages versucht er sich hinter der Sonne zu verstecken, doch wenn diese fehlt, l\u00e4sst er sich nicht mehr verleugnen. Auch der Tag ist zu Feminas Bedauern bereits auffallend kurz geworden. Wenn sie morgens zur Arbeit eilt, ist der Himmel greulich grau und es dauert lange, bis die Sonne, falls \u00fcberhaupt, die dicken Schichten von Dunts und Nebel durchdringen kann. Die Gr\u00e4ser sind dann nass und die vielen Blumen in den Hausg\u00e4rten leuchten schreiend bunt, als wollten sie sagen,- da sind wir noch, trotzdem die N\u00e4chte schon kalt sind. Eigentlich war dieses Jahr nie wirklich Sommer gewesen. Alle Fr\u00fcchte werden sp\u00e4ter geerntet als sonst und es fehlt ihnen die s\u00fcsse Reife.<\/p>\n<p>Femina hat seit ein paar Tagen Besuch,- Tina, ihre langj\u00e4hrige Freundin und Vertraute. Sie sehen sich nicht oft, viel zu wenig, wie beide meinen, doch lassen es die Umst\u00e4nde nicht anders zu. Tina hat ihre kleine Tochter mitgebracht, die jetzt etwa 11 Jahre alt ist. Femina hat Tina&#8217;s Kind auch nur ein paar Mal gesehen, mit langen Abst\u00e4nden dazwischen. Unwahrscheinlich, wie gross sie schon ist! Und sie verspricht ein besonders sch\u00f6nes Exemplar Frau zu werden.<\/p>\n<p>Femina ist \u00fcber diesen Besuch hochgradig entz\u00fcckt. Sie hatte die Hoffnung auf ein Wiedersehen, vor ihrer eigenen Abreise bereits aufgegeben, und nun ist es doch noch zustande gekommen.<\/p>\n<p>&#8220;Du bist also wieder unterwegs,&#8221; sagt Tina und schwenkt den Tee in ihrer Tasse, nimmt schl\u00fcrfend einen Schluck. Sie sitzen in Femina&#8217;s Wohnzimmer, haben es sich gem\u00fctlich gemacht. Die Kleine liegt zwischen ihnen auf der Couch und scheint nicht die geringste Absicht zu haben, sie alleine zu lassen, obwohl es f\u00fcr sie eigentlich langweilig sein sollte. Femina und Tina k\u00f6nnen n\u00e4mlich ausdauernd reden, der Faden geht ihnen nicht aus. Mit Tina zu diskutieren ist eine Wohltat. Sie geh\u00f6rt zu den wenigen, die nicht nur argumentieren k\u00f6nnen, sondern auch Phantasien entwickeln um sich auf den Standpunkt des anderen einzulassen, und trotzdem nie ihre eigene Meinung aus den Augen verlieren. Tina hat keinen Wunsch ihre Meinung dem anderen aufzuzwingen, aber sie kann sehr gut die Schw\u00e4chen aufdecken. Sie versucht zu \u00fcberzeugen, aber letztlich dienen alle Diskusionen, auch wenn sie heiss debatiert werden, nur einem Gedankenaustausch und ihrer Unterhaltung. Das beruht nat\u00fcrlich auf Gegenseitigkeit und ist eine der S\u00e4ulen auf denen ihre Freundschaft ruht. Manchmal spielen sie Varianten \u00fcber ein Thema durch, ad absurdum,- wie gesagt,- ihnen ist auf keinen Fall langweilig. So kommen sie vom Hundertsten ins Tausendste, auch heute wieder, und die Kleine scheint das durchaus unterhaltend zu finden. Femina wundert sich. Dass sie nicht m\u00fcde ist! Immerhin hatte Tina mit ihr eine ausgiebige Tagtour unternommen. Aber nein, sie ist nicht m\u00fcde, mischt sich hin und wieder selbst ins Gespr\u00e4ch und strahlt rundum wohlige Zufriedenheit aus.<\/p>\n<p>Sie kommen schliesslich wieder auf Femina&#8217;s Abreise zur\u00fcck.<\/p>\n<p>&#8220;Abschiednehmen ,&#8221; sagt diese, &#8220;f\u00e4llte mir eigentlich nie leicht. Aber von hier schon. Allerdings, meine Oldies werde ich sehr vermissen, sonst versp\u00fcre ich keine Trauer. Ich muss einfach weg.&#8221;<\/p>\n<p>Tina nickt verst\u00e4ndnisvoll. Sie w\u00fcrde selber gerne losziehen, sogar mit der Kleinen. Doch jetzt braucht die garnicht mehr so Kleine Schulen und Tina hat sich deshalb vor\u00fcbergehend sesshaft gemacht. Sie ist Psychotherapeutin, hat einen Teil ihres Hauses f\u00fcr den Beruf abgezweigt, arbeited also zu Hause und ist ihr eigener Boss, so dass sie mit ihrem Leben derzeit durchaus zufrieden sein kann. Wenigsten was, meint Femina trocken. Und da ist auch noch die Kleine, die zu Tina&#8217;s Gl\u00fcck beitr\u00e4gt und die sie liebt. Das Kind ist aus einer schiefgegangenen Ehe. Femina hat diesen Gespons nie kennengelernt, was laut Tina&#8217;s Aussage, kein Verlust ist. Femina war auch nie neugierig geworden,- sie kannte ihn von Bildern und Tina&#8217;s Erz\u00e4hlungen,- er hatte sie nicht genug beeindruckt und damit war es nie ein Bed\u00fcrfnis ihm pers\u00f6nlich zu begegnen. Jetzt lebt Tina mit einer Freundin zusammen, die sie auch kennt. Diese Beziehung scheint ausgesprochen harmonisch zu verlaufen.<\/p>\n<p>&#8220;Vielleicht ist eine Welt ohne M\u00e4nner wirklich besser&#8221;, meint Femina z\u00f6gernd und mustert ihre Freundin, die dazu nur nickt. Tats\u00e4chlich ist diese ein gutes Beispiel, ein lebender Beweis f\u00fcr die Richtigkeit einer solchen Annahme. So ausgeglichen und gl\u00fccklich hat sie Tina nicht in ihrer Erinnerung. Und die Kleine ist ebenfalls ein gl\u00fcckliches Kind. Man braucht nur einen Blick auf sie zu werfen.<\/p>\n<p>Tina schweigt abwartend. Solche Bemerkungen macht sonst h\u00f6chstens sie. Doch Femina durchl\u00e4uft ein Tief. Sie hatte einen stressigen Arbeitstag und trotzdem sie bereits gek\u00fcndigt hat, tr\u00f6sted sie das nur unzureichend. Da ist zum Beispiel ihr Boss, ein menschlicher Versager, und Femina braucht hin und wieder einen eisernen Willen, um es ihm nicht in seinen Sch\u00e4del zu pr\u00fcgeln. &#8211; Er \u00e4endert sich nicht, auch wenn sie fortgeht. Aber warum sollte er auch!<\/p>\n<p>&#8220;Ich kann zur Zeit meinen Chef nicht sehen,&#8221; f\u00e4ehrt Femina fort. &#8220;Er ist ein rotes Tuch f\u00fcr mich, das letzte. Versteh mich richtig, &#8211; er hat alles, was die Gesellschaft hier hoch dotiert. Er ist gescheit, ehrgeizig, ein z\u00e4her Streber, und er ist r\u00fccksichtslos, kaltbl\u00fctig, programmiert. Er ist ein Zyniker mit \u00e4tzendem Witz, und er ist jung und dynamisch. Na, und wenn man auf seri\u00f6s steht, sieht er relativ passabel aus. Er ist die Karriereleiter schon ziemlich weit hoch gestiegen, aber noch ist sie nicht zu Ende. Ich vermute, er will die h\u00f6chste Schaltstelle im vorherrschenden Machtsystem erlangen. Er glaubt nat\u00fcrlich, weiss wie toll er ist. War er doch in Solarsol, dem Mekka allen Fortschrittes, hat dort angeblicherweise berufliche Erfahrungen sammeln koennen. Das ist nat\u00fcrlich genug um die daheimgebliebenen Karrierlinge in sprachloser Ehrfurcht auf die Knie zu zwingen. Schwachk\u00f6pfe! Alles Schwachk\u00f6pfe! Klar &#8211; in seinem Fachgebiet steckt er viele in seine Tasche. Bei dem niedrigen Standard den die meisten n\u00e4mlich haben, da ist bald einmal jemand besser. Ich kenne die Typen die er personifiziert. In Solarsol sind sie nichts anderes als gew\u00f6hnliche Lehrlinge, &#8211; was ja nicht negativ ist, wenn man seine Chancen wahrt, &#8211; aber hier werden sie zu Superm\u00e4nnern hochstilisiert, einfach aus dem Umstand der vorliegenden Unf\u00e4higkeit eines ganzen Systems. Und er sonnt sich darin! Wie ich sie hasse, sowohl die einen wie die anderen.&#8221;<\/p>\n<p>Femina ist die Wut hochgekommen. Sie atmet tief ein und st\u00f6sst die verbrauchte Luft h\u00f6rbar durch ihre Nasenl\u00f6cher wieder aus.<\/p>\n<p>&#8221; Doch was soll ich machen! Don Quichote und die Windm\u00fchlen, &#8211; und zwischendurch bricht halt die Welt auseinander. Es sind ihrer zu viele, \u00fcberall. Ignoranz weltweit! Vorurteile! Aberglauben! &#8211; Oder bloss die Tr\u00e4gheit der Masse? Und Neros gleich haufenweise in den Schl\u00fcsselstellen. &#8211; Und dieses hirnrissige Argument vom Willen Gottes und der &#8220;Menschlichen Natur&#8221;! Ich kann das und will das nicht h\u00f6ren! &#8211; Manchmal glaubst du intelligente Menschen vor dir zu haben, siehst tats\u00e4chlich zweimal hin und dann ist da wieder nur Einbildung, Eitelkeit und Dummheit, grenzenlose Dummheit, &#8211; eine gef\u00e4hrliche Kombination! Na ja, du siehst ja wie weit sie gekommen sind!&#8221;<\/p>\n<p>Femina schweigt und beruhigt sich wieder<\/p>\n<p>&#8221; Und trotzdem glaub ich an die Zukunft,&#8221; meint Tina sachlich<\/p>\n<p>Femina zuckt mit den Schultern. &#8221; Ist ja auch egal. Ich glaube zwar nicht dran, aber ich halte sie f\u00fcr m\u00f6glich und verdammt, &#8211; das ist Grund genug, nicht aufzugeben.&#8221;<\/p>\n<p>Sie greift nach einer Zigarette und z\u00fcndet sie bed\u00e4chtig an. &#8220;Du hast Deinen Teil f\u00fcr die Fortpflanzung ja schon getan,&#8221; und sie blickt vielsagend auf die Kleine. Diese hat den Kopf auf den Arm gest\u00fctzt und h\u00f6rt aufmerksam zu. Da sind sie, die Vorbilder, nur haben sie keine befehlende Allgemeing\u00fcltigkeit oder Gewalt.<\/p>\n<p>&#8220;Was ist Fortpflanzung,&#8221; fragt die Kleine in die Stille hinein<\/p>\n<p>Femina und Tina tauschen einen vielsagenden Blick und lachen.<\/p>\n<p>&#8220;Fortpflanzung ist, wenn sich etwas bewegt,&#8221; erwidert Femina und wartet<\/p>\n<p>&#8220;Hm,&#8221; macht die Kleine und denkt angestrengt nach. Denn bewegen tut sich vieles, alles eigentlich.<\/p>\n<p>&#8220;Tja und du, &#8211; hast noch immer keine Lust auf Nachwuchs?&#8221; setzt Tina das Gespr\u00e4ch fort. Femina l\u00e4chelt und h\u00f6rt tief in sich hinein. \u00dcber diese Frage hat sie oft nachgedacht, und sie nimmt sie sehr wichtig. Aber das Ergebnis bleibt immer dasselbe, auch heute wieder. &#8220;Nein&#8230;&#8230;..wirklich nicht.&#8221;<\/p>\n<p>Tina grinst unversch\u00e4mt. Sie weiss zwar genau, dass ein Argument wie,-&#8216; da vers\u00e4umst du aber was&#8217;- nicht zieht, doch in diesem Punkt findet sie, dass Femina sich vor einer Verantwortung dr\u00fcckt und dass sie zu egoistisch sei; ihre Rasse sollte nicht aussterben! Andererseits geht es ihr in Wahrheit aber nicht darum, ihre Freundin in etwas hineinzuhetzen, das diese nicht will. Sie versucht bloss ein bisschen zu z\u00fcndeln. Schliesslich ist dieses Thema immer aktuell. Doch Femina hat heute keine Lust, so unmittelbar darauf einzugehen. Sie ist ersch\u00f6pft vom Tag, oder besser vom Inhalt des Tages, der wieder einmal so viel unn\u00f6tigen Mist produziert hat, dass man meinen k\u00f6nnte, im Dreck ersticken zu m\u00fcssen. An Tagen. wie solchen ist Zukunft nur ein Wort f\u00fcr sie.<\/p>\n<p>&#8220;Was ist dir heute \u00fcber die Leber gelaufen,&#8221; fragt Tina, die das Schweigen ihrer Freundin richtig deutet. &#8221; Der Boss? Ich bitte dich,- dass die M\u00e4nner, wenigsten die meisten zum Vergessen sind, ist doch ein alter Hut! Also, was noch?&#8221;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Herbst ist fr\u00fch gekommen. W\u00e4hrend des Tages versucht er sich hinter der Sonne zu verstecken, doch wenn diese fehlt, l\u00e4sst er sich nicht mehr verleugnen. Auch der Tag ist zu Feminas Bedauern bereits auffallend kurz geworden. 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